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hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 2, pp 85–85 | Cite as

Ausstellung

Haut und Knochen

  • Myrta Köhler
Prisma
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Vom Eisbärenfell bis zum Animal Print: Tiere inspirieren seit Urzeiten die Kleidung der Menschen. Eine aktuelle Ausstellung in Vancouver greift das Thema auf.

Ein Hochzeitskleid aus Fischhaut und Dessous aus Echsenleder? Der Wunsch, sich aus modischen Gründen in Tierhäute zu kleiden, kann extravagante Züge annehmen.

© Napat_Polchoke / Getty Images / iStock

Tierhäute und -felle hatten für Menschen zu allernächst eine Schutzfunktion. Bis heute sind etwa die Inuit für das Überleben in arktischen Temperaturen auf Eisbärenfelle angewiesen: Selbst Stoffe aus modernsten High-Tech-Fasern können deren Eigenschaften noch nicht hinreichend imitieren.

Bei den Temperaturen in den Polarregionen haben Tiere spezielle Attribute ausgebildet, um sich ihrer Umgebung optimal anzupassen — und davon profitiert auch der Mensch.

Eine Strategie ist die Wärmeisolation durch „Luftpolster“. Da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, eignet sie sich gut als natürliche Barriere gegen Kälte. Tiere können mit Federn oder Haaren einen Puffer zwischen Haut und Umgebung aufbauen. Dies gelingt zum einen durch die Felldichte. Die Haare des Rentiers und des Eisbären sind zudem innen hohl. Forscher gehen davon aus, dass in diesem Hohlraum Wärmestrahlen eingefangen und an die Haut weitergeleitet werden. Die Haut des Eisbären ist zusätzlich noch schwarz und kann etwaige Wärme dadurch besonders gut aufnehmen.

Vom Kälteschutz zur Mode

Nicht nur als Isolation gegen Kälte waren und sind Tierhäute nützlich. Leder, als biegsames aber robustes Material, eignet sich deshalb für Schuhe ebenso gut wie als Schutzkleidung für Motorradfahrer.

Längst sind aber Felle, Leder und andere tierische Erzeugnisse über ihre reine Schutzfunktion hinaus in der Bekleidungsindustrie etabliert. Designer bedienen sich immer wieder gerne an den Stilvorlagen der Tierwelt. Eine vergleichsweise „tierfreundliche“ Variante sind Animal-Prints: Muster mit Tierdarstellungen oder Drucke in Tierfell- oder Tierhautoptik, die sich auf Leggins und Regenmänteln ebenso finden wie auf Smartphone-Schutzhüllen.

Doch nach wie vor finden auch die tierischen „Originale“ ihre Anwendung in der Mode — vom Lederschuh bis zur Fuchsstola. Dass die Begehrlichkeiten zahlungskräftiger Klientel regelmäßig Tierschützer auf den Plan rufen — und das zu Recht — muss an dieser Stelle wohl nicht betont werden.

Extravagante Auswüchse der Modeindustrie gibt es jedenfalls reichlich. So entwarf etwa der deutsche VIP-Designer Daniel Rodan eine eigene Dessous-Kollektion aus Tierhäuten: Neben Unterwäsche aus dem Leder von Waschbär, Elch, Echse oder Strauss fand sich auch ein Brautkleid aus Fischhaut.

Der Wunsch, sich aus modischen Gründen in Tierhäute zu kleiden, ist allerdings nicht nur ein Spleen der heutigen Zeit. Edward I ließ in den 1280er-Jahren insgesamt 120.000 Eichhörnchenfelle ankaufen — pro Jahr. Und als Henry VIII sich eine Robe aus Zobel anfertigen ließ, mussten für ein einziges Kleidungsstück unfassbare 350 Tiere sterben.

Vom Sammeln und Aufbereiten

Eine schier unglaubliche Bandbreite tierischer Menschenbekleidung bieten die Sammlungen der Mode-Historiker Claus Jahnke und Ivan Sayers. Von Handtasche, Hüten und Handschuhen aus Robbenfell über Mäntel aus Ozelot- und Affenfell bis hin zu Accessoires aus der Haut von Gürteltier, Schildkröte, Leopard und Aal.

Für die aktuelle Ausstellung Skin & Bones in Vancouver, Kanada, ließ sich die Künstlerin Catherine M. Stewart zum zweiten Mal durch die Sammlungen von Jahnke und Sayers inspirieren. Ziel der Ausstellung ist es, die Naturwissenschaften, Kunst und angewandtes Modedesign zusammenzubringen.

„Die Überschneidung von Fotodetails menschlicher Formen mit den Bildern diverser Spezies aus den naturgeschichtlichen Sammlungen des Beaty Biodiversity Museums betont die Beziehungen, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren“, erläutert Stewart. Einige Bilder zeigen bildschöne Exemplare, die in menschlichen Armen oder Händen gehalten werden; andere wurden als Collagen aufbereitet, um durch surreale Kompositionen fantasievolle Interpretationen anzuregen.

Aus fotografischem Film angefertigte Leuchtbilder wurden in schwarze Boxen eingelassen, welche die Gestalt der Vitrinen im übrigen Museum aufgreifen. Lupen und Mikroskope laden die Besucher ein, die intimen Kompositionen aus nächster Nähe zu betrachten.

Mehrere Stücke aus der Sammlung von Jahnke und Sayers sind ebenfalls in Vitrinen ausgestellt — die räumliche Nähe zu ausgestopften Tieren aus der Sammlung des Museums betont ihre frühere Existenz als lebendige Tiere.

„Ich wollte die eindringliche Schönheit der Exemplare des Museums einfangen, um das Tier in uns zu ‚berühren‘, und damit unsere Wahrnehmung von Natur und unserer Verbindung zu ihr zu verändern“, so die Künstlerin. „Ich hoffe, dass diese Ausstellung die Reflektion und den Diskurs über unsere moralisch komplizierte Beziehung zur natürlichen Welt ermutigt.“

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Authors and Affiliations

  • Myrta Köhler
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  1. 1.

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