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hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 2, pp 71–71 | Cite as

Intoleranz: zwischen Mode und Lebensgefahr

  • Marie Fahrenhold
Medizin aktuell
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Ob man wolle oder nicht, in einer allergologisch orientierten Praxis hat man zunehmend mit Intoleranzdiagnostik zu tun, leitete Prof. Jörg Kleine-Tebbe ein. Im Schnitt haben 14 % der europäischen Bevölkerung das Gefühl, ein oder mehrere Nahrungsmittel nicht zu vertragen; ärztlich bestätigen lässt sich dies bei gerade einmal 1 %. Und Deutschland ist Europameister: 60 % meinen hierzulande, eine Lebensmittelverträglichkeit zu haben: Laktose, Fruktose, Histamin oder Gluten. Die häufig geradezu „populären“ Intoleranzdiagnosen stammen allerdings nicht immer von Ärzten, oft diagnostizieren sich die Betroffenen selbst — gerne mithilfe des Internets.

Eine der häufigsten Intoleranzdiagnosen sind Kohlehydrat-Malassimilationen (KMAS), also Laktose- und Fruktoseunverträglichkeiten. Diese gelten in den meisten Fällen als klinisch unbedenklich, so auch die häufige, hoch variable Laktoseintoleranz.

Hierbei gehe es letztlich vor allem darum, die Patienten zu „entängstigen“, betonte Kleine-Tebbe ausdrücklich — und anschließend über eine laktosearme Ernährungsweise aufzuklären. Gänzlich auf Milchprodukte zu verzichten, sei dabei nicht ratsam, da diese wichtige Quellen für Kalcium und Vitamin D sind.

Hoch gefährlich dagegen ist die hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI). Wird diese nicht frühzeitig — also direkt nach der Geburt — diagnostiziert, verläuft sie in den meisten Fällen tödlich. Die HFI ist mit 1:10.000–100.000 betroffenen Kindern pro Jahr zwar sehr selten, aber trotzdem „müssen wir uns dazu zwingen, dass wir bei Fruktose-Malassimilationen präzise die Diagnose stellen“, betonte Kleine-Tebbe. Sehr viel häufiger als eine HFI ist die Fruktosemalabsorption, bei der bereits kleine Fruchtzuckermengen unter 25 g nicht vertragen werden, oder ein Fruktoseüberhang bei Mengen über 25 g.„Das Kilo Kirschen auf einen Streich — natürlich macht das Probleme“, weil die Transitzeit schlichtweg zu kurz ist, um einen derartigen Fruktoseschwall im Dünndarm aufzunehmen. Auch hier, so Kleine Tebbe, stehe an oberster Stelle, den Patienten die Angst zu nehmen und sie aufzuklären. „Wenn ein Smoothie ausschließlich aus Obst besteht, dann muss man sich nicht wundern, wenn man bei diesen Mengen Beschwerden bekommt.“ Besser: Das Obst mit Protein und Fett aufnehmen, denn dadurch wird die Transitzeit verlängert und die Fruktose kann ins Blut aufgenommen werden.

Fruktose-Malassimilationen sind in der Regel harmlos. Trotzdem muss präzise diagnostiziert werden, um eine lebensbedrohliche hereditäre Fruktoseintoleranz auszuschließen.

© taonga / stock.adobe.com

Je nach Leidensdruck sollte eine Ernährungsberatung und -therapie erwogen werden. Kleine-Tebbe empfiehlt das Netzwerk allergologisch zertifizierter Ernährungsfachkräfte des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) mit deutschlandweit 420 Fachkräften. Unter www.ak-dida.de oder beim DAAB direkt werden geschulte Ernährungsfachkräfte in der jeweiligen PLZ-Region vermittelt — zur Unterstützung von Arzt und Patient.

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Authors and Affiliations

  • Marie Fahrenhold
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  1. 1.

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