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hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 2, pp 27–27 | Cite as

Selbstkosten für Neurodermitispatienten

  • Marie Fahrenhold
Literatur kompakt
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Atopische Dermatitis hat neben dem beeinträchtigten Wohlbefinden auch sozioökonomische Aufwirkungen auf die Patienten. Eine Querschnittsstudie hat nun die jährlichen Selbst- und Nebenkosten für Neurodermitispatienten untersucht.

Die atopische Dermatitis (AD) hat oftmals verheerende Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden der Patienten und führt dadurch zu einer enormen Belastung des alltäglichen Lebens. Ein Aspekt aber, der ebenso belastend sein kann, wurde bislang nur wenig beachtet: die individuellen wirtschaftlichen Folgen der Dermatose. Und dabei gehen die Kosten weit über die reinen Behandlungskosten hinaus — von fehlenden Arbeitstagen bis zu spezieller Kleidung und Reinigungsmittel.

Um die jährlichen Mehrausgaben für Neurodermitiker abschätzen zu können, haben deutsche Hautärzte eine große Querschnittsstudie in neun europäischen Ländern durchgeführt, bei der insgesamt 1.189 AD-Patienten per computergestütztem Telefoninterview (CATI-Methode) befragt wurden. In die Studie einbezogen wurden Patienten, die zum Zeitpunkt der Befragung eine systemische oder Phototherapie erhielten oder dafür in Betracht kamen. Um die finanzielle Belastung der einzelnen Patienten bewerten zu können, wurden ihnen standardisierte und verständlich formulierte Fragen zu den täglichen Auswirkungen ihrer Hauterkrankung gestellt, wie zum Beispiel: „Können Sie abschätzen, an wie vielen Tagen im Jahr Sie aufgrund Ihrer Neurodermitis Arbeits- oder Studiumsausfälle hatten?“ oder „Können Sie abschätzen, wie viel Geld Sie monatlich für die medizinische Behandlung Ihrer Neurodermitis ausgeben, da diese nicht oder nicht vollständig von der Krankenkasse übernommen werden?“

Zusätzlich wurde nach potenziellen Zusatzausgaben gefragt, indem nach verschiedenen krankheitsbedingten Alltagsbedürfnissen gefragt wurde.

Die Befragungszeit betrug 25 Minuten. 55 % der Befragten hatten gemäß POEM(„patient oriented exzema measure“)-Skala eine leicht ausgeprägte AD oder waren symptomfrei, bei 45 % waren die Symptome moderat, schwer oder sehr schwer ausgeprägt. 13 % der Studienteilnehmer waren jünger als 30 Jahre, 65 % zwischen 30 und 50 Jahren, 22 % waren 50 Jahre alt oder älter.

Die Umfrage der knapp 1.200 Patienten zeigte erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die einzelnen Patienten und deren Familien. Der durchschnittliche Mehraufwand durch nicht erstattete Behandlungen plus sämtlicher Nebenkosten beträgt jährlich 927,12 € pro Neurodermitispatient. Mehr als die Hälfte der Befragten hatten mindestens einen Arbeitstag pro Jahr aufgrund ihrer Hauterkrankung versäumt, 26 % mindestens sechs Tage.

Diese Ergebnisse unterstreichen die enormen Auswirkungen der AD auf das alltägliche Leben der Patienten, und das nicht nur aufgrund des symptombedingt verminderten Wohlbefindens: Die finanziellen Folgen der Erkrankung können zusätzlich belasten.

Fazit: Eine länderübergreifende Querschnittsstudie hat gezeigt, dass für Patienten mit atopischer Dermatits die jährlichen Selbstkosten für nicht erstattungsfähige Therapien und Nebenkosten wie Spezialkleidung oder -reinigungsmittel bei fast 1.000 € pro Person liegen. Über ein Viertel der Patienten können an mindestens sechs Tagen im Jahr wegen ihrer Dermatose nicht zur Arbeit gehen.

Literatur

  1. Zink AGS et al. Out-of-pocket Costs for Individuals with Atopic Eczema: A Cross-sectional Study in Nine European Countries. Acta Derm Venereol. 2019; 99:263–7CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Marie Fahrenhold
    • 1
  1. 1.

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