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hautnah dermatologie

, Volume 34, Issue 5, pp 57–57 | Cite as

STI sind bei Frauen schwieriger zu diagnostizieren

  • Beate Fessler
Medizin aktuell
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Die Diagnose von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) sei bei Männern viel einfacher als bei Frauen, erklärt Dr. Claudia Heller-Vitouch, Wien. Denn bei Frauen manifestieren sich STI häufig nicht im äußeren Genitalbereich, sondern an der Portio oder der Vagina.

So finden sich bei der unkomplizierten Gonorrhö des Mannes die Symptome zu 90 % an der Urethra. Wesentlich unspezifischer sei die Symptomatik bei Frauen. Zudem ist auch die Diagnostik mit dem Point-of-Care(POC)-Test auf Neisseria gonorrhoea bei Frauen um einiges sensitiver als bei Männern. Bei Verdacht sollte deshalb eine Kultur angelegt werden.

Bei schwangeren Frauen mit Gonorrhoe besteht für das Kind das Risiko der intrapartalen Infektion. Davon betroffen sein könne auch der Genitalbereich, so Heller-Vitouch. Das sei zwar selten, aber durchaus möglich und daher nicht zwingend ein Hinweis auf Kindesmissbrauch.

Einen kontinuierlichen Anstieg seit den 1990er-Jahren verzeichnet die Chlamydieninfektion mit einer aktuell geschätzten Prävalenz von 3–7,3 % bei den 18- bis 26-Jährigen. Chlamydien verlaufen bei Frauen zu 70–95 % asymptomatisch. Das Problem: 10–15 % der Frauen mit endozervikaler Infektion mit Neisseria gonorrhoeae entwickeln eine PID („pelvic inflammatory disease)“. In der Gravidität besteht dann ein erhöhtes Abort- und Frühgeburtsrisiko. Auch hier besteht die Gefahr einer intrapartalen Transmission.

Als Risikofaktoren gilt neben mangelndem Kondomgebrauch und multiplen Partnern auch ein junges Alter von unter 25 Jahren. Doch Heller-Vitouch warnt vor zu schnellen Schlüssen. „Auch bei älteren Damen kann eine STI vorliegen“, betonte sie. Laut aktueller Daten einer Befragung von 382 Patienten [Andrade J et al. Acta Paul Enferm 2017; 30: 8-15] sind immerhin 55 % der 60- bis 74-Jährigen sexuell aktiv; nur 5,2 % verwenden Kondome. In diesem Alter gebe es viele geschiedene oder verwitwete Menschen auf der Suche nach einem neuen Partner, erläuterte Heller-Vitouch. In den „retirement communities“ gehe es hinsichtlich der Partnersuche ähnlich zu wie auf einem Collegecampus. Zudem handle es sich bei der jetzigen älteren Generation um die „68er“, die noch vor der „Safer-Sex-Ära“ aufgewachsen ist. Schwangerschaften seien auch nicht mehr zu befürchten. Deshalb sollte auch bei älteren Menschen an eine STI gedacht werden. Gerade bei Frauen werden sie oft spät diagnostiziert, weil sie weder von der Patientin noch vom Arzt angesprochen werden.

Literatur

  1. Heller-Vitouch C. Sexuell übertragbare Infektionen: Gendermedizin: STIs bei Frauen und in der SchwangerschaftGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

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