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hautnah dermatologie

, Volume 34, Issue 5, pp 56–56 | Cite as

Erscheinungsfreiheit bei Psoriasis als realistisches Ziel

  • Beate Fessler
Medizin aktuell
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Die Palette der Biologika zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Psoriasis ist breit. Die Entdeckung einer ganzen Reihe proinflammatorischer Schlüsselzytokine als therapeutische Targets machte diese Entwicklung möglich. Die Wahl des Wirkstoffs kann durchaus schwer fallen. Prof. Jörg Prinz, München, hatte Tipps für die Entscheidungsfindung im Gepäck. Er definierte die Psoriasis als „komplexe, HLA-assoziierte, T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung der Haut und der Gelenke“.

Die Vielfalt therapeutischer Optionen sei groß, betonte er. Neben konventionellen Medikamenten wie Methotrexat, Acitretin oder Dimethylfumarat stehe insbesondere für die mittelschwere und schwere Psoriasis inzwischen eine Flut an Biologika zur Verfügung. Diese richten sich gegen verschiedene, an der Pathophysiologie beteiligte Entzündungsmediatoren.

Zu den Schlüsselzytokinen gehören neben TNF-α-Inhibitoren, die bereits erfolgreich bei rheumatoider Arthritis und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden, auch IL-17A-Antikörper, IL-17-Rezeptor-Antikörper, IL-12/IL-23-Antikörper und IL-23-Antikörper. „Es werden aber auch ‚small molecules‘ wie Tofacitinib kommen“, so Prinz. Möglich geworden ist diese Entwicklung durch die inzwischen sehr detaillierten Kenntnisse zur Pathophysiologie der Schuppenflechte.

Genomweite Assoziationsstudien zeigen die Rolle von angeborener und erworbener Immunität in der Psoriasispathogenese. So konnten über 60 Gene identifiziert werden, die im Wesentlichen drei Funktionen betreffen: die proentzündlichen Signalwege und die Aktivierung der angeborenen Immunität, die T-Zell-Aktivierung und -differenzierung über die IL-23/IL-17-Achse sowie die Antigenpräsentation. Letztere trägt zu 50 % zum Psoriasisrisiko bei, erstere zu 20–30 %. Die noch fehlenden 20–30 % werden laut Prinz durch Umwelteinflüsse und Lebensumstände eingebracht. „Die steigende Wirksamkeit dieser Biologika mit zunehmender spezifischer Interferenz mit der Psoriasispathogenese macht die Erscheinungsfreiheit zum realistischen Ziel“, erklärte der Dermatologe. Wirksamkeit und Sicherheit der einzelnen Substanzen richten sich nach dem Zielmolekül.

Mit Blick auf die Relevanz von Umweltantigenen brachte Prinz auch die glutenfreie Ernährung ins Spiel. Ein Versuch könne durchaus sinnvoll sein.

Die Anamnese sei bei der Wahl der Therapie unverzichtbar. Ist der Patient an einem Malignom erkrankt, ist der IL-17A-Antikörper nicht absolut kontraindiziert, da IL-17A keine wesentliche Rolle in der Tumorabwehr spielt. Als Alternative nannte Prinz Apremilast und Acitretin.

Vorsicht sei bei einem Morbus Crohn in der Eigen- oder Familienanamnese geboten: IL-17-Antagonisten können Schübe auslösen oder die Psoriasis verschlechtern. IL-17A- oder IL-17RA-Antikörper seien deshalb bei diesen Patienten kontraindiziert.

Literatur

  1. Prinz J. Chronisch-entzündliche Erkrankungen: Psoriasis: Von der Pathogenese zur rationalen TherapieentscheidungGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

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