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hautnah dermatologie

, Volume 34, Issue 5, pp 52–52 | Cite as

Schmerzhafte, subkutane Knoten

Wie rezidivierende Abszesse verhindern?

  • Annette Kolb-Mäurer
Medizin aktuell consilium Dermatologie
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© style-photography.de / Fotolia.com

Frage: Ich habe Patienten, die immer wieder Abszesse entwickeln, beispielsweise am Rücken oder gluteal, also nicht im Sinne einer Hidradenitis suppurativa. Häufig sind das Patienten, die früher unter einer stärkeren Akne litten und zur Seborrhö neigen. Lokaltherapie hilft meiner Erfahrung nach nicht, und auch eine systemische Antibiose verhindert meist nicht, dass sich doch ein spaltungsreifer Abszess bildet.

1. Frage: Gibt es etwas, das die Patienten tun können, wenn sie merken, dass sich subkutan wieder ein schmerzhafter Knoten entwickelt?

2. Frage: Gibt es, neben der Akutbehandlung und gegebenenfalls der Totalexzision der Talgzyste Maßnahmen, um wiederkehrende Entzündungen zu verhindern, etwa mit Isotretinoin?

Expertenantwort: Rezidivierend auftretenden, entzündlichen kutanen Knoten können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen.

Furunkel sind Infektionen des Haarfollikels durch Staphylococcus aureus. Klinisch sind Furunkel durch tiefe, druckdolente Knoten mit Tendenz zur zentralen, eitrigen Einschmelzung mit Abszessbildung gekennzeichnet. Prädispositionsfaktoren für Furunkel sind mangelnde Körperhygiene, Nikotinabusus, Diabetes mellitus, Immundefizienz, chronische Ekzeme, S.-aureus-„Träger“ und juckende Dermatosen. Das schubweise Auftreten von Furunkeln wird als Furunkulose bezeichnet.

Abszesse können jedoch auch, wie in der Frage beschrieben, durch Infektion vorbestehender Epidermalzysten entstehen. Multiple epidermale Zysten am Stamm treten meist in Verbindung mit einer Acne vulgaris auf. Nicht entzündete Epidermalzysten bleiben gewöhnlich asymptomatisch. Eine Ruptur der Zyste, etwa durch unsachgemäße mechanische Manipulation, kann zu schweren abszedierenden Entzündungen führen.

Zu 1.: Furunkel und infizierte Epidermalzysten erfordern neben der antiseptischen Lokaltherapie mit feuchten, antimikrobiell wirkenden Umschlägen meist eine systemische Antibiotikatherapie, etwa mit Cephalosporin der 1. Gruppe (z.B. Cefadroxil), Flucloxacillin oder Clindamycin bei Penicillinallergie um eine hämatogenen Aussaat des Erregers zu verhindern. Um die entzündlichen Knoten einzuschmelzen, können Wärme (Rotlicht) und „Zugsalben“ mit Ammoniumbituminosulfonat angewendet werden. Ein fluktuierender Abszess sollte inzidiert werden. Ist die Inflammation einer Epidermalzyste abgeklungen, sollten sie exzidiert werden.

Abb. 1

Entzündeter Abszess

© Lukassek / Getty Images / iStock

Zu 2.: Bei einer Furunkulose sollten die oben beschriebenen Prädispositionsfaktoren abgeklärt und behoben werden. Bei Nachweis einer Kolonisation mit S. aureus und rezidivierenden Furunkeln sollte eine Eradikation durch desinfizierende Haar- und Körperwaschungen (täglich, 5 Tage) kombiniert mit Polyhexanid-Nasengel 0,04 % (Neues Rezeptur-Formularium NRF 11.131) oder Octenidin-Nasensalbe 0,05 % (3 × täglich, 5 Tage) — alternativ mit Mupirocin-Salbe — durchgeführt werden.

Handelt es sich um rezidivierend auftretende, infizierte Epidermalzysten, denen eine Acne vulgaris zugrunde liegt, ist nach Ausschluss von Kontraindikationen eine Therapie mit systemischer Gabe von Isotretinoin zu erwägen. Der Wirkmechanismus von Isotretinoin beruht auf einer Unterdrückung der Produktion von Lipiden und ist mit einer Verkleinerung der Talgdrüsen verbunden. Zudem wirkt Isotretinoin auf die Haut entzündungshemmend. Meist wird mit einer Dosis von 0,5 mg/kg Körpergewicht begonnen. Nach Besserung reicht zur Stabilisierung in der Regel Isotretinoin 20 mg/d. Auf regelmäßige Verlaufskontrollen mit Laboruntersuchungen ist zu achten.

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Authors and Affiliations

  • Annette Kolb-Mäurer
    • 1
  1. 1.Universitätsklinikum WürzburgWürzburgDeutschland

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