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Allergo Journal

, Volume 28, Issue 6, pp 15–15 | Cite as

Allergie gegen Hymenopterengift? Sensibilisierung besagt wenig

  • Beate Schumacher
  • Thilo Jakob
Literatur kompakt
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Von den Einwohnern Deutschlands ist ein Großteil gegen Wespen- und/oder Bienengift sensibilisiert und viele berichten von systemischen Reaktionen. Die Schnittmenge zwischen beiden Personengruppen ist allerdings klein.

Anhand der KORA-Studie haben Allergologen um Simon Blank, München, sich ein Bild davon verschafft, wie weit verbreitet bei den 25- bis 75-Jährigen in Deutschland Sensibilisierungen und allergische Reaktionen gegen Hymenopterengifte sind. Die Analyse beruht zum einen auf den Serumspiegeln von IgE-Antikörpern gegen Bienen und Wespen, die in der Basisstudie S4 gemessen wurden (n = 4.261). Zum anderen stützt sie sich auf Fragebogen, in denen die Teilnehmer von S4 und der Folgestudie F4 (n = 3.074) zu lokalen und systemischen Reaktionen auf Bienen- und Wespenstiche Auskunft gegeben haben.

Wurde die Grenze für die spezifischen IgE-Antikörper (sIgE) bei 0,35 kUA/l angelegt, waren 23,1 % der Teilnehmer gegen Bienen- und 31,7 % gegen Wespengift sensibilisiert. Bei 13,7 % bestand eine Doppelsensibilisierung. Männer waren häufiger sensibilisiert als Frauen.

Über rein lokale Reaktionen auf Bienen- und/oder Wespenstiche berichteten 4,8 % (S4) und 4,4 % (F4) der Befragten. Systemische Reaktionen wurden von 2,3 % und 2,6 % zu Protokoll gegeben. Frauen waren etwas häufiger betroffen als Männer. Bei den Auslösern lagen Wespen und Bienen fast gleichauf.

Von den Personen, die gegen Bienen- oder gegen Wespengift sensibilisiert waren, hatten nur jeweils 2,8 % eine Stichreaktion erlebt, die über eine lokale Antwort hinausging. Erstaunlicherweise bestand auch umgekehrt eine Diskrepanz zwischen Klinik und Labor: Von den Teilnehmern, bei denen laut Eigenauskunft nach einem Bienen- oder Wespenstich Schocksymptome aufgetreten waren, hatten 49 % und 34 % sIgE-Spiegel < 0,35 kUA/l.

Kommentar

Das besondere an dieser Arbeit ist die populationsbezogene Erfassung an zwei sehr großen Kollektiven aus der Normalbevölkerung, wie sie selten in der Literatur zu finden ist. Die Angaben zur Prävalenz von systemischen Reaktionen nach Hymenopterenstich liegen mit 2,3–2,5 % in etwa bei einem Zehntel der Prävalenz von IgE-vermittelter Sensibilisierung gegen die entsprechenden Hymenopterengifte und bestätigt damit mal wieder, dass die Detektion von sIgE lediglich ein Indikator für eine Sensibilisierung ist und nicht als Nachweis einer Insektengiftallergie interpretiert werden darf. Interessant ist, dass die Autoren sich auch der Frage gewidmet haben, ob das Verhältnis zwischen sIgE und Gesamt-IgE (das „relative“ IgE) hier weitere Informationen liefert. Tatsächlich zeigen Patienten mit klinisch relevanter systemischer Reaktion erhöhtes relatives IgE. Leider eignet sich dieser Parameter aufgrund der großen Streuung aber nicht zur verlässlichen Diskriminierung. Somit fehlt uns unverändert ein verlässlicher Laborparameter, der ermöglicht, die klinisch relevante Allergie von der klinisch stummen Sensibilisierung zu unterscheiden.

Prof. Dr. Thilo Jakob

Literatur

  1. Blank S et al. Prevalence of Hymenoptera venom allergy and sensitization in the population-representative German KORA cohort. Allergo J Int 2019;28:183–91CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Beate Schumacher
    • 1
  • Thilo Jakob
    • 2
  1. 1.
  2. 2.Universitätsklinikum Gießen, UKGM, Justus Liebig Universität GießenGießenDeutschland

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