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Allergo Journal

, Volume 28, Issue 6, pp 14–14 | Cite as

Chlorhexidin: Allergiegefahr beim Zahnarzt?

  • Christine Starostzik
  • Ludger Klimek
Literatur kompakt
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Fast jeder zehnte Zahnmedizinstudent ist bereits im ersten Studienjahr gegenüber Chlorhexidin sensibilisiert, so das Ergebnis einer malaysischen Studie.

Chlorhexidin (CHX) ist in der medizinischen Versorgung weltweit verbreitet. Allergologen aus Malaysia haben jetzt die IgE-vermittelte Hypersensitivität gegenüber CHX bei Erstsemesterstudenten der Zahnmedizin untersucht. Zudem überprüften sie den Zusammenhang zwischen einer bekannten CHX-Exposition und dem Nachweis von antigenspezifischem IgE. Zu diesem Zweck füllten die 58 Studienteilnehmer zunächst einen Fragebogen aus, auf dem sie über ihren Gesundheitszustand, Allergien und Überempfindlichkeiten sowie ihren Kontakt mit CHX berichteten. Außerdem wurde ihnen eine Blutprobe entnommen, um das Vorhandensein von IgE-Antikörpern gegen CHX zu überprüfen. Ein IgE-Spiegel von mindestens 0,1 kUA/l galt als Sensibilisierung.

84 % der Studienteilnehmer gaben an, sie seien gesund, bei 43 % waren verschiedene allergische Reaktionen im Vorfeld bekannt, aktuell bestand keine Allergiesymptomatik. Auf die Frage nach CHX berichteten weniger als 20 % über eine Exposition. Bei 12 % war die CHX in einer Mundspüllösung und bei 9 % in der Zahnpasta enthalten. 2 % waren damit durch Handdesinfektionsmittel in Berührung gekommen.

Anhand der Bluttests wurde bei 8,6 % der Studenten eine CHX-Sensibilisierung festgestellt. Der Level der spezifischen IgE-Antikörper erreichte bei diesen Studienteilnehmern durchschnittlich 0,27 kUA/l. Allerdings ließ sich nur aus einer Probe eindeutig auf eine CHX-Sensibilisierung schließen. Nur einer der positiv getesteten und neun der negativ getesteten Studenten hatten eine frühere CHX-Exposition angegeben. Eine Abhängigkeit der IgE-Test-Ergebnisse von Geschlecht, Gesundheitsstatus, Allergieanamnese oder Chlorhexidinexposition war demnach nicht erkennbar.

Kommentar

CHX ist ein Antiseptikum, das beispielsweise in der Zahnmedizin vorkommt und in den letzen Jahren immer häufiger angewendet wird: zum Beispiel als Mundspülung oder auch als Zahnlack, der den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum abgibt. Wir selbst beobachten im Allergiezentrum Wiesbaden in den letzten Jahren eine massiv zunehmende Anzahl und auch schwere Fälle mit lokalen — aber auch anaphylaktischen Reaktionen — auf CHX, seitdem die Anwendung in der topischen Wundheilpflege massiv zugenommen hat.

Anaphylaktische Reaktionen treten aber offensichtlich auch intraoperativ oder in der Intensivpflege auf, da CHX auch in Verweilkanülen und Katheterisierungs-Gels Verwendung finden. Es ist daher aus allergologischer Sicht wichtig, diese Substanz im Auge zu behalten und Warnhinweise an die Hersteller und die Regulationsbehörden auszusprechen.

Prof. Dr. Ludger Klimek

Literatur

  1. Khazin AM et al. IgE-mediated hypersensitivity to chlorhexidine among first year dental students. Allergo J Int 2019;28:204–8CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  • Ludger Klimek
    • 2
  1. 1.
  2. 2.Zentrum für Rhinologie und Allergologie WiesbadenWiesbadenDeutschland

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