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Allergo Journal

, Volume 28, Issue 6, pp 12–12 | Cite as

Anaphylaxien unter Erdnuss-Immuntherapie

  • Ingrid Kreutz
Literatur kompakt
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Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnussallergie: Einer aktuellen Metaanalyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf als mit Allergenkarenz oder Placebo.

Die Dringlichkeit, bessere Maßnahmen als Karenz oder Notfallmedikation gegen Nahrungsmittelallergien wie die Erdnussallergie zu haben, liegt auf der Hand: Die Erdnussallergie wächst sich nicht aus, sondern bleibt bei 80–85 % der Betroffenen lebenslang bestehen. Die Erdnussallergie betrifft etwa 2 % der Kinder und 1 % der Erwachsenen in wohlhabenden Ländern. Ein neuer Hoffnungsträger, die Erdnussallergie besser in den Griff zu bekommen, ist die orale Immuntherapie. Die Ergebnisse aus Studien hierzu waren widersprüchlich.

Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, haben kanadische Allergologen nun zwölf randomisierte kontrollierte Studien hierzu analysiert. Die Teilnehmer waren 1.041 Kinder mit Erdnussallergie im Alter von durchschnittlich neun Jahren, die entweder eine orale Immuntherapie mit Erdnuss erhalten hatten oder lediglich Placebo oder sich in Allergenkarenz übten (Kontrollgruppe). Die Forscher haben jedoch nicht — wie in den Studien üblich — den Erfolg der Therapie danach beurteilt, ob die Kinder die ärztliche überwachte Provokation mit Erdnuss überstanden hatten, sondern sie haben dazu andere Kriterien gewählt wie das Risiko und die Häufigkeit von Anaphylaxie oder den Bedarf an Notfallmedikation während eines Jahres.

Das Ergebnis war enttäuschend: Die orale Immuntherapie mit Erdnuss erhöhte das Risiko und die Häufigkeit der Anaphylaxie um etwa das Dreifache im Vergleich zum Verzicht auf diese Therapie (22,2 % vs. 7,1 %). Außerdem benötigten die Kinder mit oraler Immuntherapie etwa doppelt so häufig Adrenalin als Notfallmedikation wie die Kinder aus der Kontrollgruppe (8,2 % vs. 3,7 %). Auch schwere Nebenwirkungen, etwa lebensbedrohliche oder solche, die eine Klinikeinweisung notwendig machten, traten mit der Immuntherapie häufiger auf (11,9 % vs. 6,2 %), und zwar in ähnlichem Ausmaß während der Aufdosierungs- und Erhaltungstherapie-Phase. Und: Die Lebensqualität war bei Kindern, die eine orale Immuntherapie erhalten hatten, nicht besser als bei Kontrollkindern.

In einem Punkt schnitten die Kinder mit Immuntherapie jedoch besser ab: Sie bestanden die ärztlich überwachte Provokation mit Erdnuss in der Klinik, die üblicherweise in Studien als Surrogatparameter für die Verringerung der allergischen Reaktionen außerhalb der Klinik verwendet wird, häufiger als Kinder ohne orale Immuntherapie.

Fazit: Die Desensibilisierung mit oraler Immuntherapie in der Klinik funktioniert offenbar recht gut, dieser Erfolg lässt sich aber offenbar nicht auf das Alltagsleben übertragen. Für die Autoren bedeuten die neuen Erkenntnisse aber nicht das Ende der oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie. Sie fordern größere randomisierte Studien, in denen die Therapie nach patientenrelevanten Kriterien beurteilt wird, etwa nach der Häufigkeit allergischer und anaphylaktischer Reaktionen im weiteren Verlauf.

Literatur

  1. Chu DK et al. Oral immunotherapy for peanut allergy (PACE): a systematic review and meta-analysis of efficacy and safety. Lancet 2019;393: 2222–32CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Ingrid Kreutz
    • 1
  1. 1.

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