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Allergo Journal

, Volume 28, Issue 1, pp 12–12 | Cite as

Baumpollen-AIT: Wirksamkeit auch durch Real-Life-Langzeitdaten dokumentiert

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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Studien zur Wirksamkeit der allergenspezifischen Immuntherapie (AIT) unter Alltagsbedingungen sind bisher rar. Eine Real-Life-Langzeitstudie mit Verordnungsdaten von symptomatischen Antiallergika als Datenbasis liefert Anhaltspunkte zur Effektivität einer Baumpollen-AIT.

Die Zahl der Real-Life-Studien zur allergenspezifischen Immuntherapie (AIT) ist bisher vergleichsweise niedrig. Anders als bei kontrollierten klinischen Studien können bei solchen Datenbankuntersuchungen aber auch längere Zeiträume ohne großen Aufwand überblickt und Vergleiche zwischen verschiedenen Applikationsformen oder Allergenmodifikationen vorgenommen werden. Eine retrospektive Studie analysierte Verordnungsdaten aus Deutschland.

Inwiefern profitieren Baumpollenallergiker von einer allergenspezifischen Immuntherapie?

© Sebastian Lux / Springer Medizin

Basis der Studie waren Daten einer Verordnungsdatenbank, in der rund 60 % aller in Deutschland eingereichten Arzneimittelrezepte mit genauen Angaben unter anderem zu Markennamen und Dosis dokumentiert sind. Eingeschlossen in die Auswertung waren Patienten, die über mindestens zwei Pollensaisons eins von sechs ausgewählten Präparaten zur AIT mit nativen Baumpollenallergenen zur oralen oder subkutanen Baumpollen-AIT (SLIT, SCIT) oder zur subkutanen Allergoid-AIT erhalten hatten. Die Verordnungsdaten dieser Gruppe wurden mit denen von passenden Patienten mit rein symptomatischer Medikation gegen allergische Rhinitis und/oder Asthma über drei und mehr Pollenperioden in Multiregressionsanalysen verglichen.

Über den Beobachtungszeitraum von bis zu sechs Jahren benötigten signifikant weniger AIT- als Nicht-AIT-Patienten keinerlei symptomatische Medikation gegen allergische Rhinitis (65,4 % vs. 47,4 %, Odds ratio [OR]: 0,51, 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,48–0,54, p < 0,001) und/oder Asthma (49,1 % vs. 35,1 %, OR: 0,59, 95%-KI: 0,55–0,65, p < 0,001) mehr. Das entspricht einem Covariablen-adjustierten Rückgang zugunsten jeweils der AIT von 28,6 % bei Rhinitis sowie 32 % bei Asthma. Bei der Reduktion von Asthmamedikamenten zeigten sich ebenfalls Vorteile zugunsten der AIT mit einem Covariablen-adjustierten Rückgang von 32 % (p < 0,001). Das Risiko, während der laufenden Behandlung eine Asthmadiagnose zu erhalten, war in der AIT-Gruppe geringer als in der Nicht-AIT-Gruppe (OR: 0,83, p = 0,001).

Die Effekte einer Behandlung mit nativen Allergenen (SLIT und SCIT) und Allergoiden (SCIT) unterschieden sich insgesamt nicht, die Ultra-Kurzzeit-SCIT ist möglicherweise aber nicht ganz so wirksam wie konventionelle oder Kurzzeittherapien, so die Autoren.

Fazit: In einer Real-Life-Studie ergaben sich für Patienten mit einer SLIT- oder SCIT-Therapie langfristig günstigere Verläufe bei der Verordnung von Symptomatika und neu diagnostiziertem Asthma im Vergleich zu Patienten mit allergischer Rhinitis oder Asthma ohne spezifische Immuntherapie.

Literatur

  1. Wahn U et al. Real-world benefits of allergen immunotherapy for birch pollen-associated allergic rhinitis and asthma. Allergy 2018;  https://doi.org/10.1111/all.13598

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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