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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 20, pp 41–41 | Cite as

Üble Spätfolgen fürs Fußballprofi-Hirn

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Jahrelange Kopferschütterungen beim Fußballspiel erhöhen langfristig das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen und Demenz.

Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

Was tut er seinem Kopf nur an?

© Ostill / Getty Images / iStock

_ Verglichen wurden 7.676 professionelle Fußballer aus der schottischen Liga aus den Jahrgängen vor 1977 mit 23.028 nach Alter, Geschlecht und Sozialstatus gematchten Männern aus der Allgemeinbevölkerung. Aus Registern wurden die Todesursachen sowie die Verordnung von Medikamenten zur Behandlung einer Demenz entnommen.

Über einen Zeitraum von 18 Jahren starben 15,4% der Fußballprofis und 16,5% der Kontrollpersonen (p < 0,001). Die Mortalität war bei den Ex-Profis bis zum 70. Lebensjahr niedriger, danach aber höher. Die Sportler starben signifikant seltener infolge von KHK (p = 0,02) und Lungenkarzinom (p < 0,001), dafür aber 3,45-mal häufiger an primären neurodegenerativen Leiden (1,7% vs. 0,5%; p < 0,001). Fußballer erhielten auch 4,9-mal häufiger Demenz-Medikamente.

KOMMENTAR

Es gibt also gute und schlechte Nachrichten: Profisportler sind körperlich sehr aktiv und zumindest während ihrer aktiven Zeit in der Regel Nichtraucher. Dafür werden sie belohnt mit einem geringeren Sterberisiko aufgrund ischämischer Herzerkrankungen und Lungenkarzinomen. Es zeigte sich aber auch wieder, dass Körper- und Kopfkollisionen wie z. B. beim Boxen, Football oder Baseball diverse neurodegenerative Langzeitfolgen haben können. Fußballprofis spielen den Ball pro Spiel etwa 6- bis 12-mal mit dem Kopf, noch häufiger im Training. Während ihrer Karriere dürften es mehrere Tausend Kopfbälle sein.

Trotzdem halten sich selbst bei Profis gesundheitliche Vor- und Nachteile langfristig die Waage. Im Breitensport dürfte der Gesamteffekt positiv sein. Studien zur üblichen sportlichen Betätigung in Schulen, Sportvereinen und in der Freizeit zeigen vielfältige Vorteile. Es wurden sogar Abnahmen von Hirnleistungsstörungen und Demenz nachgewiesen. Ängste bei Eltern, Sportlehrern, Trainern und Amateursportlern sind also nicht angebracht, ein Umdenken nicht erforderlich.

Literatur

  1. Mackay DF, Russell ER, Stewart K et al. Neurodegenerative disease mortality among former professional soccer players. N Engl J Med. 2019;381:1801–8CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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