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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Supplement 3, pp 20–20 | Cite as

Vollstillen senkt das spätere Kardio-Risiko

  • D. Reinhardt
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Muttermilch enthält mehr Cholesterin als Säuglingsnahrung, weshalb gestillte Babys höhere Cholesterinspiegel aufweisen. Eine Studie zeigt nun, dass diese als Jugendliche aber niedrigere Werte haben.

Prof. em. Dr. med. Dr. h. c. D. Reinhardt Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Haunerschen Kinderspital, München

Für den Winzling ist es einfach das Beste.

© NataliaDeriabina / Getty Images / iStock

_ Erhöhte Blutwerte für Cholesterin stellen ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. In einer prospektiven Studie mit 3.261 Kindern, die 1997 in Hongkong geboren worden waren, sollte untersucht werden, ob alleiniges Stillen in den ersten drei Lebensmonaten einen Einfluss auf das Lipoproteinmuster, das Körpergewicht und den BMI im Alter von 17,5 Jahren hat.

Auf die Stillgruppe entfielen 7,5% des Kollektivs. 40% konnten nicht ausschließlich gestillt werden, und 52% wurden mit Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis ernährt. Bei der Auswertung wurden das Geschlecht, das Geburtsgewicht, das Gestationsalter, Besonderheiten in der Schwangerschaft und der sozioökonomische Status der Eltern berücksichtigt.

Die Studie ergab, dass die Jugendlichen, die als Babys vollgestillt worden waren, signifikant niedrigere Gesamtcholesterinwerte hatten als die Probanden, die Säuglingsnahrung erhalten hatten (p < 0,02). Dies galt auch für das LDL-Cholesterin (p < 0,05). Die nur zum Teil gestillten Kinder hatten dagegen keinen signifikanten Vorteil.

Beim HDL-Cholesterin-Wert, dem BMI und dem Körperfettanteil bestanden zwischen den verschiedenen Gruppen keine Unterschiede.

KOMMENTAR

Nach den Daten der Studie reduziert ausschließliches Stillen in den ersten drei Lebensmonaten das Risikopotenzial für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob die Ernährung mit Muttermilch die Prävalenz solcher Leiden tatsächlich präventiv vermindert, könnten erst Longitudinalstudien zeigen, für die gestillte und nicht gestillte Kinder bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter verfolgt werden. Als Ursache für die erniedrigten Werte bei ehemaligen Stillkindern diskutieren die Autoren, dass das mit der Muttermilch exogen zugeführte Cholesterin und das LDL die endogene Lipidproduktion auf ein niedrigeres Niveau herunterprogrammieren. Jedenfalls kann eine Adipositas keine Rolle spielen, da die Daten entsprechend adjustiert wurden. Auch der BMI scheidet als Einflussfaktor aus, da sich hier kein Unterschied zwischen den Gruppen ergab.

Die Studie kann keinen Aufschluss darüber geben, ob eine über den dritten Lebensmonat hinausgehende Ernährung mit Muttermilch oder der Zeitpunkt der Einführung von Beikost einen Einfluss haben könnten.

Literatur

  1. Hui LL, Kwok MK, Nelson EAS et al. Breastfeeding in infancy and lipid profile in adolescence. Pediatrics. 2019;143:e20183075CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • D. Reinhardt
    • 1
  1. 1.

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