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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 19, pp 31–31 | Cite as

Testosteron hilft depressiven Männern

  • D. Herzog
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Eine Behandlung von Männern mit depressiver Symptomatik mit dem Steroidhormon Testosteron wird diskutiert. Eine Metaanalyse offenbart einen signifikanten Effekt — doch reicht das vorerst nicht.

Dr. med. D. Herzog Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Main

Für eine Metaanalyse zur antidepressiven Therapie mit Testosteron bei Männern wurden 27 placebokontrollierte Studien mit insgesamt 1.890 Teilnehmern selektiert. Die Auswertung ergab einen statistisch signifikanten antidepressiven Effekt der Supplementation. Die Effektstärke von g = 0,21 offenbarte einen kleinen Therapieeffekt. Dieser entsprach ungefähr einer Reduktion um 2,2 Punkte im 63 Punkte umfassenden Beck-Depressions-Inventar-II.

Untersucht wurde auch, ob die Behandlung depressive Symptome um > 50% reduzieren konnte. Hier lag Testosteron mit einer Odds Ratio von 2,30 deutlich vor Placebo. Probleme mit der Akzeptanz traten nicht auf. Eine höhere Testosterondosis und eine geringe Symptomvarianz zu Beginn waren signifikant mit einer erfolgreichen Therapie assoziiert. Geringen Einfluss hatten ein höheres Alter, der initiale Testosteronspiegel, das Ausmaß der Depressivität, eine HIV-Infektion, die Behandlungsdauer und die Applikations-Art.

KOMMENTAR

Bisher empfehlen die internationalen Leitlinien diese Therapiestrategie nicht, da die Studienlage widersprüchlich und das Nebenwirkungs- und Sicherheitsprofil gerade bei längerfristiger Testosterongabe unklar sind.

Die neue Metaanalyse zeigt einen leichten antidepressiven Effekt, der weder vom Alter noch von der Gonadenfunktion vor Therapiebeginn beeinflusst zu werden scheint. Allerdings konnte gerade die Studie mit der höchsten Qualität eher keine Überlegenheit der Testosteronbehandlung zeigen. Einstweilen lassen die geringe Effektstärke und die unzureichende Evidenzlage bei Verträglichkeit und Sicherheit — insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse — keine generelle Empfehlung zu.

Literatur

  1. Walther A et al. Association of testosterone treatment with alleviation of depressive symptoms in men — a systematic review and meta-analysis. JAMA Psychiatry. 2019;76:31–40CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • D. Herzog
    • 1
  1. 1.

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