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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 16, pp 36–36 | Cite as

Täglich ein Gläschen gegen die Demenz?

FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Starker Alkoholkonsums stellt wohl einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz dar. Ein moderater Genuss dagegen könnte laut Studienlage sogar protektiv wirken. Sollten Ärzte dazu raten?

PD Dr. med. P. Jung Neuropsychiatrisches Zentrum Frankfurt-Sachsenhausen

_ Die Autoren identifizierten 28 zwischen 2000 und 2017 publizierte systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zu Alkohol und Demenz, die sie als qualitativ ausreichend hochwertig ansahen. 20 der Arbeiten befassten sich mit der Beziehung des Ausmaßes von regelmäßigem Alkoholkonsum und einer Demenzentwicklung, sechs mit dem Einfluss von Alkohol auf physiologischen Hirnstrukturen und zwei mit alkoholinduzierten Demenzen.

© [M] Rouzes / Getty Images / iStock

In der überwiegenden Mehrheit der Arbeiten war leichter bis moderater Alkoholkonsum mit einem geringeren Risiko für eine kognitive Beeinträchtigung oder Demenz assoziiert. Dagegen korrelierte regelmäßiger, aber auch unregelmäßiger starker Alkoholkonsum (Frauen > 40 g/d, Männer > 60 g/d) mit einem erhöhten Risiko. Zudem ergaben sich Hinweise auf eine erhöhte globale und regionale Hirnatrophie bei starkem Trinken.

KOMMENTAR

Nach ihrem umfassenden Review sehen die Autoren die Evidenzlage für einen demenzpräventiven Effekt von regelmäßigem leichtem bis moderatem Alkoholkonsum sowie die methodische Qualität der bisherigen Studien als „moderat“ an. Und dabei ist die qualitativ bisher hochwertigste Studie zum Thema [Sabia S et al. BMJ. 2018;362:k2927], in der sich dieser Zusammenhang ebenfalls fand, noch gar nicht berücksichtigt. Als leicht bis moderat gilt der Konsum von 1–14 Standarddrinks pro Woche, wobei allerdings die Definition des Standarddrinks schwankt (8 g in Großbritannien, 10 g in Deutschland, 14 g in den USA).

Man sollte jedoch vorsichtig sein, den Patienten nun einen leichten bis moderaten Alkoholkonsum zur Demenzprävention zu empfehlen. Zum einen sind die als Kontrollgruppe dienenden Abstinenzler heterogen definiert. Meist werden ihnen z. B. auch ehemalige Trinker zugeordnet. Zum anderen ist die übliche Erhebung der Trinkgewohnheiten per Selbstauskunft problematisch.

Auch wurden bisher lediglich korrelative, nicht aber kausale Zusammenhänge festgestellt, was insofern relevant ist, als wir nicht viel über neuroprotektive biologische Mechanismen des Alkohols wissen. Die neurotoxischen Effekte sind dagegen gut etabliert, und die Studienlage zum demenzfördernden Einfluss starken regelmäßigen Alkoholkonsums ist sehr konsistent.

Literatur

  1. Rehm J, Hasan OSM, Black SE et al. Alcohol use and dementia: a systematic scoping review. Alzheimers Res Ther. 2019;11:1 CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • P. Jung
    • 1
  1. 1.

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