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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 16, pp 18–18 | Cite as

Bewusst oder aus Unwissenheit

ICD-Patienten ignorieren häufig Fahrverbote

AKTUELLE MEDIZIN . REPORT
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Nicht wenige Herzpatienten mit kürzlich implantierten Defibrillatoren setzen sich hinters Steuer und gefährden sich und andere.

_ Wann ein Patient nach Implantation eines Defibrillators (ICD) wieder ein Fahrzeug lenken darf, ist in Leitlinien der Europäischen Kardiologie-Gesellschaft geregelt. Für Berufsfahrer mit LKW oder Bus empfehlen die ESC-Leitlinien z. B. ein permanentes Fahrverbot.

© blende11.photo / stock.adobe.com

Leitlinien empfehlen Karenzzeiten

Privatfahrten sind für vier Wochen tabu, sofern es sich um einen Eingriff in Primärprävention handelte, und für drei Monate, wenn der Eingriff in Sekundärprävention erfolgte. Drei Monate Fahrverbot gelten auch, wenn das Gerät einen Schock zur Unterbindung einer Arrhythmie abgegeben hat. Die Leitlinien in Dänemark sind ein wenig lockerer. Dennoch haben mehr als 30% der Teilnehmer einer großen Studie angegeben, gegen die Fahrverbote verstoßen zu haben. Die Autoren der Studie hatten 3.913 ICD-Patienten angeschrieben und 2.741 Rückantworten erhalten.

Hauptgrund schlechte Aufklärung

Die meisten Patienten verstießen gegen Fahrkarenzzeiten, weil sie diese gar nicht kannten. Dem ließe sich durch eine bessere Kommunikation vorbeugen, betonten die Studienautoren. Ihre Empfehlung: Wiederholte Hinweise, schriftliche Information, Erklärung der Hintergründe und Einbinden von Familienmitgliedern.

Manche Patienten setzten sich aber hinter das Steuer, obwohl sie sich der Fahrverbote bewusst waren. Hier dominierten Männer, Patienten über 60 Jahren und generell solche, die im täglichen Leben auf das Auto angewiesen bzw. die einzigen Fahrer im Haushalt waren.

Ärzte sollten die Patienten eindringlich aufklären, dass sie nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr bringen, wenn ein erhöhtes Risiko für Arrhythmien am Steuer besteht, so die Studienautoren.

Die Gefahr geht vom kranken Herzen aus, nicht vom ICD

Manche Patienten entscheiden sich gegen einen ICD aufgrund der damit einhergehenden Fahrrestriktionen. „Es ist jedoch die Herzkrankheit und nicht der ICD, die zu Arrhythmien und Bewusstlosigkeit führen können“, betonte Dr. Jenne Bjerre von der Universitätsklinik Gentofte. Die Fahrrestriktionen gelten auch für Patienten mit ICD-Indikation, die sich gegen den Eingriff entscheiden.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • DE
    • 1
  1. 1.

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