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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 15, pp 27–27 | Cite as

Demenz im Kielwasser des Schlaganfalls

  • F. Stachulski
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Eine gefürchtete Folge des Schlaganfalls sind kognitive Defizite, die die Alltagsfähigkeit beeinträchtigen und die Mortalität erhöhen. Eine Studie zeigt den Zusammenhang mit der Schwere des Erstereignisses.

Dr. med. F. Stachulski Abteilung Neurologie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

_ Für die populationsbezogene, prospektive OxVasc-Kohortenstudie wurden von 2002–2012 im englischen Oxfordshire 2.305 Patienten mit transitorischer ischämischer Attacke (TIA) oder Schlaganfall rekrutiert. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wurden sie mittels Mini Mental State Examination auf eine Demenzerkrankung getestet.

Bei 225 Patienten bestand bereits zum Zeitpunkt des Einschlusses eine Demenz. Die Prävalenz war klar mit der Schwere des Indexereignisses assoziiert (TIA 4,9%, Schlaganfall 11,8%). Bei den 2.080 Patienten ohne vorbestehende Demenz zeigte sich in den folgenden fünf Jahren eine ganz ähnliche Assoziation, nämlich zwischen der Schwere des Ereignisses und der kumulativen Demenz-Inzidenz. Die Follow-up-Rate lag sehr hoch, bei 95%. Auffällig war eine hohe Variabilität durch epidemiologische und klinische Faktoren. So lag z. B. die 5-Jahres-Inzidenz bei TIA-Patienten < 65 Jahren bei 0%, bei Patienten > 75 Jahren und Schlaganfall in der Anamnese dagegen bei 80%.

Nach einem Schlaganfall war ein Demenzrisiko für alle Altersgruppen messbar. So lag es bei Patienten < 65 Jahren mit schwerem Schlaganfall bei ca. 20%. Nach schweren Schlaganfällen wurde die Demenzerkrankung in der Regel im frühen Verlauf, bei leichten Schlaganfällen später festgestellt.

Auch die 5-Jahres-Mortalität war hochvariabel und lag z. B. für Patienten mit schwerem Schlaganfall bei 75%. Eine unabhängige Assoziation zwischen Risikoerkrankungen wie Diabetes, Vorhofflimmern oder arteriellem Hypertonus und der sekundären Demenz war überraschenderweise nicht nachweisbar.

KOMMENTAR

Die Studie liefert wichtige Informationen für die Versorgung von Schlaganfallpatienten. Damit können Angehörige und Patienten beraten und insbesondere eine konsequente Sekundärprävention nach einem zerebrovaskulären Erstereignis gerechtfertigt und gefordert werden. Demenzerkrankungen nach einem Schlaganfall bedürfen einer höheren Aufmerksamkeit hinsichtlich interdisziplinärer therapeutischer Konzepte.

Literatur

  1. Pendlebury ST et al. Incidence and prevalence of dementia associated with transient ischaemic attack and stroke: analysis of the population-based Oxford Vascular Study. Lancet Neurol. 2019;18:248–58CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • F. Stachulski
    • 1
  1. 1.

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