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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 15, pp 16–16 | Cite as

Stufentherapie des chronischen Handekzems

Hilfe für juckende, schmerzende Hände

  • Peter Stiefelhagen
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
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Handekzeme sind häufig. Sie können durch endogene und exogene Faktoren ausgelöst werden, sind meist berufsbedingt und haben deshalb eine hohe sozialmedizinische und gesundheitsökonomische Bedeutung.

Chronisches Handekzem bei atopischer Diathese.

© casi / stock.adobe.com

_ Rund 5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem chronischen Handekzem. Bei jedem zweiten Betroffenen findet sich eine berufliche Ursache. Besonders gefährdet sind Friseure, Heil- und Pflegeberufe, Floristen, Reinigungskräfte, Bauarbeiter, in der Metallverarbeitung oder im Nahrungsmittelgewerbe Tätige und Anstreicher. Abgesehen von der hohen sozioökonomischen Belastung durch lange Ausfallzeiten und Arbeitslosigkeit bedeutet die Erkrankung für die Patienten eine gravierende psychische Belastung und eine wesentliche Einbuße an Lebensqualität.

Ursachensuche

„Die Hauterscheinungen beim Handekzem sind vielgestaltig“, erläuterte Dr. Jutta Raguz von der Städtischen Hautklinik Karlsruhe. Typisch sind Rötungen, Schuppungen und Hyperkeratosen. Es können sich aber auch juckende Bläschen und schmerzhafte Rhagaden bilden. Nicht selten (in ca. 30% der Fälle) sind vor allem bei der atopischen Form auch die Füße betroffen. Von einem chronischen Ekzem spricht man, wenn die Hautveränderungen trotz Therapie länger als 3 Monate anhalten oder ≥ 2 Rezidive pro Jahr auftreten.

Je nach Ursache werden drei Formen unterschieden:
  • Irritativ-toxisches Handekzem, das durch äußere hautreizende Einflüsse hervorgerufen wird,

  • Kontaktallergisches Handekzem, das durch den Kontakt mit Allergie-auslösenden Stoffen verursacht wird,

  • Atopisches Handekzem, das durch die atopische Diathese induziert wird.

„Oft vstärken sich beim Handekzem mehrere Ursachen gegenseitig“, sagte Raguz. Auch sei es manchmal schwer, überhaupt eine eindeutige Ursache zu identifizieren. Bei solchen idiopathischen Formen werden das hyperkeratotische/rhagadiforme, das vesikuläre und das Fingerspitzen-Ekzem unterschieden.

Therapie nach Leitlinie

Für die Therapie des chronischen Handekzems empfiehlt die europäische S3-Leitlinie* ein stufenweises Vorgehen. Zunächst werden präventive Maßnahmen empfohlen, d. h. die Identifikation und Vermeidung ursächlicher Faktoren. „Die medikamentöse Basistherapie ist und bleibt ein topisches Steroid“, so Raguz. Dieses reiche jedoch im Allgemeinen nur bei leichten Formen. Bei einem mittelschweren oder schweren Handekzem wird auf Stufe 2 und 3 mit Evidenzgrad 1A auch Alitretinoin empfohlen, und zwar als Second-line-Therapie dann, wenn das Ekzem nicht auf die Therapie mit einem potenten topischen Steroid anspricht.

Grundsätzlich soll eine schnelle, konsequente Therapie des akuten Ekzems die Chronifizierung verhindern. Auf Stufe 3 kann bei therapierefraktären Patienten auch Ciclosporin, Methotrexat, Acitretin oder Azathioprin eingesetzt werden, auch wenn die Evidenz hierfür schwach ist. Für den Einsatz von Anthistaminika gibt es keinerlei Evidenz.

Topische Steroide nicht zu lange

Auch wenn topische Steroide als First-line-Therapie mit hohem Evidenzniveau empfohlen werden, ist diese Therapie doch mit einer Reihe von Problemen assoziiert. Topische Steroide wirken zwar schnell und effektiv, aber sie verzögern die Reparaturmechanismen des Stratum corneum, verursachen eine Hautatrophie und beeinflussen die Langzeitheilung negativ. Deshalb sollte die kontinuierliche Anwendung auf 6 Wochen begrenzt werden. Eine längere Gabe ist nur bei strenger Indikationsstellung unter sorgfältiger ärztlicher Beobachtung gerechtfertigt

Das Vitamin-A-Derivat Alitretinoin wird täglich einmal in einer Standarddosierung von 30 mg gegeben. Als Therapiedauer werden 3 bis 6 Monate empfohlen. Ein Rebound-Phänomen nach Absetzen wurde nicht beobachtet.

Literatur

  1. 54. Ärztekongress, 26.1.2019 in StuttgartGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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