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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 41–41 | Cite as

Ein Krokodil, das arme Junkies frisst

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

Ein 41-jähriger Mann kam mit ausgedehnten, schmerzhaften, nekrotischen Ulzera an beiden Beinen in die Klinik. Dort wurde er als Drogenabhängiger eingeschätzt, weil er täglich Narkotika verlangte und bunkerte, während er nicht-narkotische Analgetika ablehnte. Allerdings verneinte er einen intravenösen Drogenmissbrauch ganz entschieden.

Die Ulzera des Patienten waren unregelmäßig, und die nicht betroffenen Areale dazwischen zeichneten sich durch eine seltsame, dunkle Schuppigkeit aus. Eine Kultur ergab Proteus vulgaris und Morganella morganii. Die Behandlung erfolgte stationär mittels Wundpflege, Antibiotika und Prednison. Über Mitpatienten und die Familie wurde bekannt, dass der Patient sich ein synthetisches Morphin namens Krokodil injizierte. Die Entzugserscheinungen konnten beherrscht werden.

Bei Krokodil — oder kurz: Krok — handelt es sich um ein potentes Opioid, das in vielen Ländern nicht verkehrsfähig ist. Als kostengünstige Alternative zu Heroin mit hohem Abhängigkeitspotenzial ist es zu einer verbreiteten Arme-Leute-Droge geworden — v. a. in Russland. Wegen der kurzen Halbwertszeit wird es in kurzen Abständen intravenös oder subkutan injiziert. Die illegale Synthese führt zu stark toxischen Nebenprodukten mit Gewebeschäden und Nekrosen der Haut, aber auch zu neurologischen, renalen und vaskulären Schäden. Die schuppenden, grün-schwarzen Hautveränderungen erinnern an die Haut von Krokodilen und haben der Droge ihren Straßennamen verliehen.

Ausgedehnte nekrotische Ulzera an Injektionsstellen.

© 2019;191:E712

Literatur

  1. Ghazawi FM, Beecker J. Necrotic leg ulcers associated with krokodil injection in a 41-year-old man. CMAJ. 2019;191:E712CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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