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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 38–38 | Cite as

Weltweit leben die Menschen länger gesund

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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In den letzten 23 Jahren hat die Lebenserwartung bei guter Gesundheit weltweit um 5,49 Jahre zugenommen. Gebremst wird diese erfreuliche Entwicklung durch Diabetes und AIDS.

Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

_ Daten über die Lebenserwartung in einzelnen Regionen und Ländern sind gut verfügbar. Hilfreicher ist jedoch die genaue Kenntnis all jener Krankheiten, Schäden und Verletzungen, die die Lebenszeit verkürzen. Im Großprojekt Global Burden of Disease wurden von 1990–2013 weltweit in 187 Ländern außer demografischen Daten die ursachenspezifische Mortalität sowie Art und Dauer von 306 kurz- und langfristigen Krankheiten analysiert. Daraus resultiert eine unglaubliche Datenfülle.

Eine zentrale Größe ist die Lebenserwartung bei guter Gesundheit ab Geburt (health adjusted life expectancy at birth in Jahren = HALE0). Zwischen 1990 und 2013 stieg dieser Wert bei Männern um 5,31 und bei Frauen 5,73 Jahre, vorwiegend aufgrund des Rückgangs von ansteckenden, neonatalen und ernährungsbedingten Krankheiten und Erkrankungen von Schwangeren.

Erwartungsgemäß gibt es zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede. In 176 Ländern nahm der Wert zu, sehr stark z. B. in Nicaragua, Kambodscha, Äthiopien um ca. 14 Jahre. In 11 Ländern, v. a. im südlichen Afrika, kam es zu einer Abnahme um 4–11 Jahre. Die Hauptursache dieses Negativtrends sind HIV-Infektionen.

In Zentraleuropa hat die HALE0 um 4,73 Jahre zugenommen. Dabei wurde ein deutlicher Rückgang ischämischer Herzerkrankungen durch Zunahme des Diabetes erheblich konterkariert.

KOMMENTAR

Bei vielen Menschen steht ein langes Leben ganz oben auf der Wunschliste — auch wenn dann Alterskrankheiten und Gebrechlichkeit drohen. Erfreulicherweise ging global in den letzten zwei Jahrzehnten der Trend zur Langlebigkeit bei guter Gesundheit.

Allerdings sind die regionalen Unterschiede erheblich. Der wichtigste Störfaktor ist der Diabetes, der in 16 von 21 Weltregionen, darunter auch in Europa, an erster oder zweiter Stelle steht. Dem folgt die HIV-Infektion, die in 10 der Regionen auf Platz eins oder zwei steht, v. a. in Afrika und Lateinamerika. Ihr Einfluss auf die mittlere Lebenserwartung ist besonders groß, da gerade junge Menschen erkranken und sterben.

Literatur

  1. Chen H, Chen G, Zheng X et al. Contribution of specific diseases and injuries to changes in health adjusted life expectancy in 187 countries from 1990 to 2013: retrospective observational study. BMJ. 2019;364:l969CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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