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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 20–20 | Cite as

Wie viel soll man trinken, wie viel darf man trinken?

Das kommt auf die Nieren an …

  • Angelika Bischoff
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
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„Nicht ohne meine Wasserflasche!“ Reichlich Trinken gilt allgemein als gesund. Doch es gibt widersprüchliche Daten, wie sich die Trinkmenge auf das Risiko für die Entwicklung einer Niereninsuffizienz auswirkt. Dabei kommt es offenbar nicht nur darauf an, wie viel, sondern auch was man trinkt.

_ Eine Befragung ergab, dass 28% der Frauen und 15% der Männer fast nie ein Durstgefühl haben. Und 37% vs. 30% sagten, sie würden vergessen zu trinken, wenn sie viel Stress haben. Tatsächlich trinken viele Menschen zu wenig, wenn auch selten eine definitive Flüssigkeitsmangelsituation eintritt. Darauf können Symptome wie Kopfschmerzen, Verstopfung, nächtliche Wadenkrämpfe, Müdigkeit, trockene Schleimhäute und die Ausscheidung von wenig und dunkel gefärbtem Urin hinweisen.

Protektiv oder nicht?

Wie Peter R. Mertens, Universität Magdeburg, berichtete, hat eine prospektive Studie an etwa 3.000 Menschen untersucht, wie das Trinkverhalten das Auftreten einer chronischen Niereninsuffizienz beeinflusst. Eine solche entwickelten im Verlauf von 8 Jahren 6% der Probanden. Nach Adjustierung für viele Einflussfaktoren war ein hoher Konsum von Sodawasser, gesüßten Fruchtgetränken und Wasser mit einem 60% höheren Risiko für das Auftreten einer Niereninsuffizienz assoziiert. Den entscheidenden Anteil an dieser Assoziation hatten die Süßgetränke. „Zwei Gläser Limonade pro Tag verkürzen das Leben um 4,5 Jahre“, fasste Mertens zusammen.

Eine prospektive Studie aus Australien an über 50-Jährigen fand dagegen, dass eine Flüssigkeitsaufnahme von 3,2 l pro Tag im Vergleich zu 1,8 l/Tag das Risiko für das Auftreten einer Niereninsuffizienz bei Nierengesunden halbiert. Ähnliches zeigte eine kanadische Studie.

Flüssigkeitszufuhr bei Nierenkranken

Es gibt einige Nieren-Erkrankungen, bei denen eine gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme erwiesenermaßen günstig ist. Das sind die Nephrolithiasis (Primär- und Sekundärprävention) und Harnwegsinfektionen. Auch die Progression einer polyzystischen Nierenerkrankung verläuft langsamer unter ADH-Suppression, wie man sie mit viel Trinken induziert.

Wenn bereits eine chronische Niereninsuffizienz besteht, scheint viel Trinken hingegen kontraproduktiv zu sein. Teilnehmer mit der höchsten Harnmenge (> 2,85 l/Tag) hatten in einer Studie einen stärkeren Abfall der glomerulären Filtrationsrate (GFR) als Teilnehmer mit der niedrigsten Harnmenge (< 2 l/Tag).

Flüssigkeitsdefizit berechnen

In einer anderen Studie hat sich die Harnosmolalität als prädiktiver Faktor für das Risiko, dialysepflichtig zu werden, erwiesen. Ist sie hoch, besteht ein höheres Dialyserisiko. Eine niedrige Osmolalität durch höhere Flüssigkeitszufuhr kann bis zu einem gewissen Grad protektiv sein. Sinkt sie zu stark ab, kann dieser protektive Effekt verloren gehen. Als optimal kann eine Harnosmolalität von etwa 300 mOsmol/l betrachtet werden. Das Flüssigkeitsdefizit, das man korrigieren muss, um sie zu erreichen, lässt sich mit folgender Formel berechnen:

Mit viel Salz früher an die Dialyse

Auch die Salzaufnahme spielt mit, so das Ergebnis einer Studie an 500 Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz, die unter ACE-Hemmer-Therapie standen. Man bildete drei Gruppen: Niedrigsalzgruppe (Aufnahme von < 6 g/Tag), Hochsalzgruppe (> 12 g/Tag) und dazwischen die Mittelsalzgruppe. Im Lauf von vier Jahren zeigte sich, dass die Patienten der Hochsalzgruppe ein signifikant höheres Risiko hatten, dialysepflichtig zu werden als die Patienten der beiden anderen Gruppen

Literatur

  1. DGIM-Kongress Wiesbaden, 4.–7. Mai 2019Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Angelika Bischoff
    • 1
  1. 1.

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