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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 18–18 | Cite as

EAR-Score für Otitis externa

Ab drei Punkten muss der Ohrenspezialist eingreifen

AKTUELLE MEDIZIN
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Ob Patienten mit akuter Otitis externa vom Hausarzt behandelt werden können oder zum HNO-Spezialisten überwiesen werden müssen, lässt sich anhand eines Algorithmus berechnen.

Otitis externa bei einer 82-jährigen Patientin.

Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

_ Die akute Otitis externa gehört zu den häufigeren Erkrankungen aus dem HNO-Bereich. Im Allgemeinen sind die betroffenen Patienten beim Hausarzt gut aufgehoben. Doch in manchen Fällen drohen ernste Komplikationen, zu denen etwa ein nekrotisierender Verlauf (Otitis externa maligna), das Übergreifen auf das Trommelfell und im Extremfall auf die knöcherne Schädelbasis mit dem Ausfall von Hirnnerven gehören.

Daher ist es wichtig zu erkennen, wann ein Patient mit Otitis externa in die Obhut eines Facharztes gehört. Die HNO-Spezialisten David Selwyn und Andrew Lau von den Bradford Teaching Hospitals haben einen Algorithmus entwickelt, der bei der Entscheidung helfen soll. Er fokussiert auf Risikofaktoren, die Behandlungsdauer und Alarmsymptome (Red Flags) (Tab. 1) .
Tab. 1

„Evidence-based Acute Otitis Externa Referral Score“ (EAR-Score)

Eines dieser Merkmale

Alter > 65

1 Punkt

Chemo- oder Radiotherapie

Gut kontrollierter Diabetes mellitus

Otitis-externa-Rezidiv

Entweder …

Immunsuppression

2 Punkte

… oder

chlecht kontrollierter Diabetes mellitus (HbA1c > 8,0%)

Dauer der Behandlung

Entweder …

nicht geplante Wiedervorstellung in den ersten zehn Therapietagen

3 Punkte

… oder

andauernde Otitis externa trotz 14-tägiger Behandlung

Red Flags

Einer dieser Faktoren

Hirnnervenlähmung

5 Punkte

Übermäßige ipsilaterale Kopfschmerzen

Erythem oder Schwellung der Ohrmuschel oder des Gesichts

Vollständig stenosierter Gehörgang (Spekulum nicht einführbar)

Auswertung:

• 0 Punkte: Notwendigkeit fachärztlicher Behandlung unwahrscheinlich. Patient kann nach initialer Konsultation mit Rezept und Instruktionen über Warnsymptome entlassen werden.

• 1–2 Punkte: Aktives Monitoring ist angezeigt. Der Patient sollte während und nach der Behandlung allgemeinärztlich nachuntersucht werden.

• 3–4 Punkte: Dringende Überweisung zum Spezialisten binnen 12 bis 48 Stunden ist ratsam.

• ≥ 5 Punkte: Sofortige Notfallüberweisung zum Spezialisten.

Score gibt Sicherheit

In einer Studie mit 239 Patienten mit akuter Otitis externa erreichte der EAR-Score eine Sensitivität von 100% und eine Spezifität von 90%, bezogen auf das Heraufziehen von Komplikationen, die eine Therapie beim Facharzt erfordern. Der negative Vorhersagewert lag bei 100%. „Das kann Hausärzten Sicherheit geben, Patienten mit niedrigen Punktzahlen selbst zu behandeln“, so die Autoren. Der positive Vorhersagewert betrug 23%.

Die am häufigsten isolierten Erreger waren Pseudomonas-Spezies. Die Therapie sollte entsprechend ausgerichtet werden. Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt im Anschluss an die sorgsame Reinigung des äußeren Gehörgangs eine topische Therapie mit Antibiotika, allein oder in Kombination mit Kortikosteroiden. Für die Otitis externa zugelassene antibiotische Ohrentropfen enthalten Ciprofloxacin oder Neomycin/Polymyxin. Letztere dürfen wegen ototoxischer Wirkung von Neomycin nur bei intaktem Trommelfell angewendet werden.

Literatur

  1. Selwyn D, Lau A. Clin Otolaryngol 2019;  https://doi.org/10.1111/coa.13320CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • rb
    • 1
  1. 1.

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