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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 16–16 | Cite as

Nur nicht hängen lassen

Erektile Dysfunktion: Selbst ist der Mann

AKTUELLE MEDIZIN
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Erektile Dysfunktion mag ein verborgenes Schicksal sein, ein seltenes Schicksal ist sie keineswegs. Und auch keines, das Mann wehrlos hinnehmen müsste. Es gibt Mittel, und auch die Betroffenen selbst können einiges bewirken.

© nerthuz / stock.adobe.com

_ Erektile Dysfunktion (ED) ist für Männer nicht nur eine Krankheit, sondern zudem eine Kränkung. Gern spricht kein Betroffener über seine Probleme. In den entscheidenden Momenten ist das auch gar nicht nötig, weil die Schwierigkeit ja offen zutage liegt.

Wie häufig ist das Problem wirklich?

Das Schweigen führt allerdings dazu, dass es recht schwankende Angaben dazu gibt, wie häufig ED allgemein und in den einzelnen Altersgruppen tatsächlich vorkommt. Anna Kessler vom Londoner King’s College hat sich zusammen mit Kollegen über 40 Studien zu ED aus allen Teilen der Welt angesehen [1]. Die Forscher stießen auf enorme Schwankungen der ED-Prävalenz zwischen 3% und 77%. Für Europa lagen die Prävalenzen von ED zwischen 17% und 65%.

Dabei kam es auf die ED-Definition an und darauf, ob die Männer nach ihrer eigenen Ansicht gefragt wurden oder anhand eines standardisierten Fragebogeninstruments Auskunft gaben. Nahm man alle Fragebogenstudien zusammen — also Studien, in denen etwa der International Index of Erectile Function 5 (IIEF-5) verwendet wurde — betrug die Prävalenz von ED beliebiger Schwere 26%. Laut Selbsteinschätzung hätte die Prävalenz bei 13% gelegen.

Manche der Fragebogeninstrumente waren relativ streng. Wer etwa in der Massachusetts Male Aging Study (MMAS) nicht bestätigen konnte, dass er immer (!) eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion bekomme und halten könne, galt bereits als mindestens minimal impotent. Dies erklärt dann vielleicht auch teilweise die hohe ED-Prävalenz selbst bei Männern unter 40. Sie betrug bis zu 46%.

Vielfältige therapeutische Optionen

Dass es keinen Anlass gibt, vor einer ED zu kapitulieren, zeigt ein Überblicksartikel, den der australische Forscher Mark Allen veröffentlicht hat [2]. Allen verweist auf die vielfältigen Möglichkeiten, die Schwächen der männlichen Natur mit pharmakologischer Unterstützung auszugleichen. „Testosteron und PDE-5-Hemmer sind die gebräuchlichsten Formen der Therapie“, schreibt der Forscher. Sie hätten gezeigt, dass sie in der Förderung der Erektion einer Placebogabe überlegen sind.

Dabei kommt Testosteron hypogonadalen Männern zugute, während PDE-5-Hemmer für Männern mit normalen Testosteronspiegeln nützlich seien. Zu beachten sei, dass 10–25% der Männer unter PDE-5-Hemmern leichte Nebeneffekte verspürten wie Kopfschmerzen, Hautrötungen, verstopfte Nase oder Dyspepsie.

Auch Sport kann helfen

Im Übrigen rät Allen Männern mit ED zu sportlicher Aktivität, um die endotheliale Stickstoffmonoxid-Homöostase — eine Schlüsselstelle für das Erreichen einer Erektion — wieder ins Lot zu bringen. Dafür empfiehlt er aerobes Training, etwa auf dem Fahrrad, Krafttraining, Kampfsport zur Steigerung des Selbstbewusstseins und für das Stressmanagement sowie Sport in der Gruppe, z. B. Fußball, für psychologischen Zugewinn.

Allen schwebt dazu ein durchaus anspruchsvolles Programm vor. Es beginnt montags mit einer Laufeinheit von 45 Minuten und geht dienstags mit Krafttraining von 45 Minuten weiter. Mittwochs steht eine Stunde Boxen in der Gruppe auf dem Plan, donnerstags wird 45 Minuten geschwommen und freitags geht es nochmals für eine Dreiviertelstunde zum Krafttraining. Samstags und sonntags ist Ruhetag, das heißt: eine Stunde Spaziergang im Grünen oder am Wasser.

Ein ambitioniertes Programm, gewiss. Manch einer mag sich fragen, ob da überhaupt noch genügend Zeit bleibt, eventuell wiedergewonnene Erektionen gewinnbringend einzusetzen. Doch auch das ist Training. Denn nach alter Urologenweisheit gibt es nichts, was die Erektionsfähigkeit mehr fördern würde als eben Erektionen.

Das Problem nicht klein reden

Kessler und ihr Team warnen davor, ED einfach als Konsequenz des physiologischen Alterns anzusehen. Gestörte Erektion sei ebenso wohl Symptom pathologischer Prozesse wie eben kardiovaskulärer Erkrankungen, von BPH oder Demenz. Bei jungen Männern stünden vermutlich psychologische Ursachen im Vordergrund. Ärzte sollten jedenfalls gezielt nach ED fragen und nicht erwarten, die Patienten würden ihre Probleme von sich aus ansprechen.

Literatur

  1. 1.
    Kessler A et al. BJU Int 2019;  https://doi.org/10.1111/bju.14813
  2. 2.
    Allen MS. Nat Rev Urol 2019;  https://doi.org/10.1038/s41585-019-0210-6

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • rb
    • 1
  1. 1.

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