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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 7, pp 35–35 | Cite as

Warum verzichten Patienten auf Dialyse?

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Bei terminaler Niereninsuffizienz kann die Dialyse das Leben erhalten. Doch welche Fakten und Überlegungen führen dazu, dass Patienten — oder auch Ärzte — auf diese Maßnahme verzichten?

Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

Ohne Dialyse sterben terminal niereninsuffiziente Patienten in der Regel sehr bald.

© gopixa / Getty Images / iStock

_ Forscher analysierten die Akten von 851 Patienten im mittleren Alter von 75 Jahren, die in den Jahren 2000–2009 dialysepflichtig wurden. In allen Fällen war eine Entscheidung gegen eine Dialyse getroffen worden. Da die Daten aus Gesundheitseinrichtungen für Veteranen stammen, waren die meisten der Probanden Männer, nämlich 842. Innerhalb von sechs Monaten starben 812 (95,4%) der Patienten.

Drei typische Ablaufmuster beschreiben den Dialyse-Verzicht:
  1. 1.

    Wenn Patienten oder Angehörige die Dialyse ablehnten, akzeptierten die behandelnden Ärzte die Entscheidung in der Regel nicht sofort, sondern hinterfragten sie wiederholt. Sie forschten nach möglichen Ursachen wie mangelhafter Information oder Urteilsfähigkeit (z. B. wegen Depression) und zeigten Optionen wie die zeitlich begrenzte Dialyse auf. Die Präferenzen der Patienten wurden sorgfältig dokumentiert.

     
  2. 2.

    Andere Patienten waren nach Ansicht der Ärzte keine Kandidaten für die Dialyse. Das lag an persönlichen Faktoren wie Alter oder Behinderung, an medizinischen Probleme wie Begleiterkrankungen, an einer schlechten Prognose und Lebenserwartung oder auch an mangelnder Belastbarkeit. Die Begründungen der Ärzte wurden sorgfältig dokumentiert — nicht aber die Ansichten und Meinungen der Patienten.

     
  3. 3.

    Wenn Dialyse nicht indiziert war oder abgelehnt wurde, zeugte das weitere Vorgehen von großer Hilflosigkeit. Wirksame therapeutische Alternativen fehlen, und der letzte Weg führt in die Pflege oder das Hospiz.

     

KOMMENTAR

Bei terminaler Niereninsuffizienz gilt die Dialyse neben der Transplantation als einzige Option. Doch ist sie risikobehaftet und belastend — und garantiert dabei weder Überleben noch Lebensqualität. Deshalb lehnen gesunde Menschen sie in ihrer Patientenverfügung häufig ab.

Wird man aber dialysepflichtig, ändern sich die Umstände dramatisch. Patienten, die dann die Dialyse ablehnen, erhalten erheblichen Druck von Ärzten, doch noch zuzustimmen, während solche, die nicht als geeignete Kandidaten gelten, wenig zu sagen haben und kaum Zuwendung erhalten.

Die Autoren verweisen auf Studien, in denen terminal nierenkranke Patienten mit schweren Begleiterkrankungen unter engagierter konservativer Therapie die gleiche Lebenserwartung und -qualität erreichen wie unter Dialyse.

Literatur

  1. Wong SPY, McFarland LV, Liu CF et al. Care practices for patients with advanced kidney disease who forgo maintenance dialysis. JAMA Intern Med. 2019;179:305–13CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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