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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 2, pp 19–19 | Cite as

Rückgang schwerer Infektionen

Masernimpfung mit unspezifischem Zusatznutzen?

  • Beate Schumacher
AKTUELLE MEDIZIN . IMPFSPRECHSTUNDE
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Kinder können nach der zweiten Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) möglicherweise auch schwere Infektionen durch andere Erreger besser abwehren.

_ Dänische Wissenschaftler haben einen möglichen Zusatznutzen der MMR-Impfung beobachtet: Kinder mit vor Kurzem abgeschlossener Grundimmunisierung mussten seltener wegen einer nicht von der Vakzine abgedeckten Infektion für zwei oder mehr Tage in einem Krankenhaus behandelt werden.

Die Forscher haben Daten von fast 300.000 Kindern im Alter zwischen 47 und 60 Monaten ausgewertet. Alle hatten die erste MMR-Impfung erhalten, aber nur 54% bekamen im Beobachtungszeitraum die zweite Impfung, die in Dänemark erst im Alter von vier Jahren empfohlen wird. Nach Abgleich anderer Risikofaktoren wurden Kinder mit der zweiten Impfung nachfolgend zwar nicht seltener mit Antibiotika behandelt als Kindern ohne den Booster. Kinder mit abgeschlossener Grundimmunisierung mussten jedoch seltener wegen einer Infektion in ein Krankenhaus aufgenommen werden. Verantwortlich für diesen Unterschied war ein Rückgang von Klinikaufenthalten mit einer Mindestdauer von zwei Tagen. Dass bei kürzeren Aufenthalten keine Differenz zu erkennen war, könnte mit einer Besonderheit des dänischen Gesundheitssystems zusammenhängen: Solche Kurzaufenthalte sind dort sehr viel häufiger als in anderen Ländern und dienen vor allem der Abklärung.

Ob die zweite MMR-Impfung tatsächlich einen gewissen Schutz vor „Off-target-Infektionen“ bietet, muss weiter geprüft werden. Immerhin sind vergleichbare Beobachtungen schon früher für Boosterimpfungen mit Lebendvakzinen gemacht worden; als Erklärung bietet sich eine Stimulation unspezifischer Immunreaktionen an. Zumindest aber können die dänischen Daten als weiteres Indiz für die Sicherheit der MMR-Impfung gelesen werden.

Literatur

  1. Sørup S et al. Clin Infect Dis 2019;68:282–290CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Beate Schumacher
    • 1
  1. 1.

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