Advertisement

MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 21–22, pp 51–51 | Cite as

Blickdiagnose

Knoten am Arm: Von der Weide mitgebracht?

  • Springer Medizin
FORTBILDUNG . KASUISTIK
  • 51 Downloads

Bei einer 38-jährigen Schafzüchterin entwickelte sich innerhalb von zwei Wochen auf gesunder Haut ein schmerzhafter Knoten am rechten Unterarm (Abb. 1). Was steckt dahinter?

Abb. 1a, b

Aufnahmebefund: 3 x 2,5 cm großer erythematöser, solider Knoten mit z. T. glänzender Oberfläche.

© M. A. Radtke, Hamburg-Eppendorf

_ Die Patientin berichtet, dass zunächst einzelne kleine, nebeneinanderstehende, erythematöse Papeln erschienen seien, die unter Konfluenz einen Nodus mit nässender Oberfläche bildeten. Auch klagt sie über zunehmendes Krankheitsgefühl, subfebrile Temperaturen bis 38 °C und Lymphknotenschwellung rechts axillär.

Es handelt sich um ein Ecthyma contagiosum mit aszendierender Lymphangitis. Erreger ist das Parapoxvirus ovis (Orf-Virus) aus der Gruppe der Pockenviren. Die Infektion ist bei Schafen und Ziegen endemisch.

Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Kontaktinfektion. In der Regel sind Unterarme und Hände, selten die Gesichtshaut betroffen. Nach einer Inkubationszeit von wenigen Tagen bis sechs Wochen bilden sich entzündlich gerötete Papeln. Im Verlauf verändern sich die Effloreszenzen kokardenartig und gehen in ein noduläres Stadium über. Aus diesem Stadium entstehen papillomatöse Effloreszenzen, die schließlich in Regression übergehen.

Als Begleitsymptome werden selten Fieber und Krankheitsgefühl beobachtet. Komplikationen sind Lymphangitiden, reaktive Lymphknotenvergrößerungen, Superinfektionen und Erysipele.

Krankheit meist selbstlimitierend

Diagnostisch wegweisend sind die Anamnese (Kontakt zu infizierten Tieren) und die Dynamik der Hauteffloreszenzen. Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch Hautbiopsie im Frühstadium sowie den Virusnachweis durch Elektronenmikroskopie, Zellkultur oder PCR. Die Krankheit ist in der Regel nach 6–8 Wochen selbstlimitierend.

Kasuistik: Wie ging es weiter?

Im Fall der 38-jährigen Patientin wird aufgrund der aszendierenden Lymphangitis und des ausgeprägten Krankheitsgefühls eine systemische Antibiotikatherapie mit Ampicillin und Sulbactam 1,5 g als Infusion dreimal täglich über fünf Tage eingeleitet. Lokaltherapeutisch wird Povidonjod unter Wundgaze appliziert. Die Extremität wird hochgelagert und gekühlt.

Unter der topischen Therapie kommt es zu einer Epithelisation des teils erosiven Nodus sowie zur Größenregredienz. Die Lymphangitis und das Krankheitsgefühl bessern sich unter den Antibiotika, sodass nach fünf Tagen auf eine orale Applikation gewechselt und die Patientin entlassen werden kann.

Literatur

  1. Radtke MA et al. Hautarzt 2009;60(6):498–501.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

There are no affiliations available

Personalised recommendations