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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 21–22, pp 36–36 | Cite as

Reizdarmtherapie ohne Medikamente

  • M. Storr
FORTBILDUNG KRITISCH GELESEN
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Viele Medikamente zur Behandlung des Reizdarmsyndroms (RDS) erreichen nicht den deutschen Markt. Eine neue Studie zeigt aber wieder, dass auch Yoga und eine FODMAP-reduzierte Diät wirksam sind.

Prof. Dr. med. M. Storr Zentrum für Endoskopie, Starnberg

Yoga unter Anleitung kann die RDS-Symptome lindern.

© Dean Mitchell / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

_ Für eine monozentrische, einfach verblindete, kontrollierte Studie wurden 59 Patienten mit RDS für 12 Wochen in zwei Gruppen randomisiert. Eine hielt eine Ernährung mit einem reduzierten Anteil an fermentierbaren Oligo-, Di- und Monosacchariden sowie Polyolen (FODMAP) ein. Dazu gab es vier Beratungstermine. Die andere Gruppe machte zweimal wöchentlich 75 Minuten lang unter fachkundiger Anleitung Yoga.

Der primäre Endpunkt, eine signifikante Verbesserung auf dem gastrointestinalen Symptomen-Score IBS-SSS, wurde in beiden Gruppen sowohl nach der 12-wöchigen Intervention als auch weitere 12 Wochen später erreicht. In der Yoga-Gruppe erreichten 59,3%, in der FODMAP-Gruppe 84% der Patienten eine klinisch relevante Reduktion um mindestens 50 Punkte. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war statistisch nicht signifikant. Von therapiebedingten Nebenwirkungen wurde nicht berichtet.

KOMMENTAR

Viele Patienten mit RDS wünschen sich nicht-medikamentöse Maßnahmen, sofern deren Wirksamkeit belegt ist. Dies ist für Ernährungsumstellungen wie die FODMAP-reduzierte Diät der Fall [Varjú P et al. PLoS One. 2017;12:e0182942]. Gute Daten gibt es auch zu psychotherapeutischen Verfahren — sowohl geführt durch einen Therapeuten (Darmhypnose [Peters SL et al. Aliment Pharmacol Ther. 2015;41:1104–15]) als auch in der Selbstanwendung (autogenes Training) — und zur Bewegungstherapie (Yoga). All diese Verfahren sind natürlich aufwändig.

Vergleichsstudien mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen sind spärlich gesät. Doch die vorliegende Arbeit zeigt, dass sowohl die FODMAP-reduzierte Ernährung als auch die Yoga-Therapie relevant wirksam sind. Da sich ihre Effekte nicht signifikant voneinander unterscheiden, sollten beide angeboten werden.

Der Behandler ist beim RDS nicht bloß ein Verschreiber von Medikamenten, sondern mehr ein Coach für die verschiedenen Therapieangebote, die die Lebensqualität der Patienten steigern können. Leider besteht für diese Angebote gerade außerhalb der Ballungszentren noch ein ausgeprägtes Defizit.

Literatur

  1. Schumann D et al. Randomised clinical trial: yoga vs a low-FODMAP diet in patients with irritable bowel syndrome. Aliment Pharmacol Ther. 2018;47:203–11CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • M. Storr
    • 1
  1. 1.

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