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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 11, pp 67–67 | Cite as

Bei Hinweisen auf Riesenzellarteriitis keine Zeit verlieren

  • Thomas M. Heim
aktuell
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Arteriitiden der großen Gefäße sind mit einem hohen Komplikationsrisiko behaftet. Entscheidend ist eine unverzüglich begonnene und ausreichend lange anhaltende Behandlung. Initial kommen Glukokortikoide zum Einsatz, im Anschluss daran eine immunsuppressive Therapie mit Methotrexat oder Tocilizumab.

Patienten mit Symptomen, die auf eine Riesenzellarteriitis (RZA) oder Takaysu-Arteriitis (TAK) hindeuten könnten, sollen Prof. Dr. Raoul Bergner, Rheumatologie, Klinikum Ludwigshafen, zufolge unverzüglich an ein Spezialistenteam überwiesen werden, um eine frühzeitige korrekte Diagnose und Behandlung zu gewährleisten. Verzögerungen sind unbedingt zu vermeiden, weil Arteriitiden der großen Gefäße zu akuten Ischämien führen können, und somit zu schweren, teilweise irreversiblen okulären und zerebralen Schäden. Auch die in 2018 aktualisierten Leitlinien der European League Against Rheumatism (EULAR) [1] betonen die hohe Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und Therapie bei klinischen Verdachtsmomenten auf RZA oder TKA.

Diagnose schnell sichern

Die Diagnose wird in der Bildgebung oder histologisch via Temporalisbiopsie gesichert. Die Bildgebung sei, so Bergner, höchstens drei Tage nach dem Auftreten der ersten klinischen Symptome verwertbar — ein weiterer Grund, keine Zeit zu verlieren. Um eine sichere Diagnose mittels Bildgebung zu gewährleisten, sei zudem eine hohe Expertise der untersuchenden Person notwendig. Zur Darstellung kranieller Arterien seien Ultraschall und MRT geeignet, für extrakranielle Gefäße kommen je nach Fragestellung auch CT oder PET/CT in Frage. Auf keinen Fall solle das Warten auf eine adäquate Bildgebung zu einer Verzögerung der Behandlung führen, betont Bergner.

Glukokortikoide mit Anschlussbehandlung

In der Therapie der RZA stehen — auch laut aktuellen EULAR-Leitlinien — Glukokortikoide weiterhin an erster Stelle, in einer hohen Dosierung, das heißt mit täglich 40–60 mg Prednison-Äquivalent. Sobald die Erkrankung unter Kontrolle ist, kann die Dosis langsam reduziert werden, mit einer Zieldosis von 15–20 mg nach 2–3 Monaten und danach ≤ 5 mg/Tag nach einem Jahr. Bei ausgewählten Patienten ist eine zusätzliche Therapie angezeigt, etwa bei mangelndem Ansprechen, Rezidiven, Glukokortikoid-Nebenwirkungen oder Komplikationen. Mit hohen Levels of Evidence (LoE) gesichert ist dabei die remissionsstabilisierende Wirksamkeit von Methotrexat (MTX) (LoE 1a) und des IL-6-Antikörpers Tocilizumab (LoE 1b). Direkte Vergleichsstudien, die eine Überlegenheit einer der beiden Substanzen gegenüber der anderen zeigen könnten, fehlen bislang.

Langzeitbehandlung oft nötig

Die randomisierte Doppelblindstudie GiACTA zeigte, dass eine zu Beginn der 26-wöchigen Kortikoid-Ausschleichphase initiierte Behandlung mit Tocilizumab zu höheren kortikoidfreien Remissionsraten führt als Placebo und als eine auf ein Jahr verlängerte Ausschleichphase mit Kortikoiden [2]. Der Anteil der Patienten, die sich am Ende der zweijährigen offenen Erweiterungsphase der Studie therapiefrei in Remission befanden, lag in der Tocilizumabgruppe mit 26-wöchiger Kortikoid-Ausschleichphase bei 30,8 %, in der Placebogruppe mit 52-wöchiger Kortikoid-Ausschleichphase bei 29,4 % und in der Placebogruppe mit 26-wöchiger Kortikoid-Ausschleichphase bei 21,2 % [3]. Bergner zufolge bestätigen die Daten aus der Erweiterungsstudie zum einen die Wirksamkeit von Tocilizumab in der Remissionserhaltung, zum anderen auch den hohen Anteil der Patienten, die auch nach dreijähriger Therapie eine fortgesetzte Behandlung benötigen.

Literatur

  1. 1.
    Hellmich et al. Ann Rheum Dis 2019; 0: 1-12Google Scholar
  2. 2.
    Stone JH et al. N Engl J Med 2017; 377: 317–28CrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Stone JH et al. Ann Rheum Dis 2019; 78 suppl 2: A145Google Scholar

Literatur

  1. 92. DGN-Kongress, Symposium „Vaskulitiden in der Neurologie — Neues zu Diagnostik und Therapie“, Vortrag: „Systemische Vaskulitiden — Was ist neu?“, Stuttgart, 25.9.2019Google Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Thomas M. Heim
    • 1
  1. 1.

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