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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 10, pp 30–30 | Cite as

Antikoagulation nach Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern

Bridging oder kein Bridging, das ist hier die Frage

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Fragestellung: Sollte bei Patienten nach akutem ischämischem Insult und Vorhofflimmern das Intervall zwischen Ereignis und Beginn der oralen Antikoagulation mit Heparin überbrückt werden?

Hintergrund: Vorhofflimmern ist ein wichtiger Risikofaktor für den Schlaganfall. Das Rezidivrisiko nach einem ischämischen Insult ist bei Patienten mit Vorhofflimmern, wenn sie nicht behandelt werden, gegenüber Patienten mit Sinusrhythmus um den Faktor 5 erhöht. Die Prophylaxe erfolgt heute überwiegend mit nicht Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAK) und, in seltenen Fällen, durch Vitamin-K-Antagonisten (VKA). Umstritten ist nach wie vor, ob und in welcher Form das Zeitintervall zwischen dem ischämischen Insult und dem Beginn der oralen Antikoagulation überbrückt werden soll. In der Vergangenheit hatten einige Leitlinien empfohlen, dass ein Bridging mit niedermolekularem Heparin erfolgen sollte. Diese Fragestellung wurde jetzt in zwei prospektiven Registern untersucht.

Patienten und Methodik: Es handelt sich um eine Post-hoc-Analyse von zwei prospektiven Registern, in die Patienten mit ischämischem Insult und Vorhofflimmern eingeschlossen wurden. Verglichen wurden Patienten, bei denen zwischen dem Schlaganfall und dem Beginn der oralen Antikoagulation keine antithrombotische Therapie erfolgte, mit Patienten, bei denen ein Bridging mit niedermolekularem Heparin in voller Dosis erfolgte. Der primäre Endpunkt der Studie war die Kombination aus ischämischem Insult, transienter ischämischer Attacke, systemischer Embolie, symptomatischer zerebraler Blutung und schwerwiegenden extrakraniellen Blutungen in einem Zeitraum von 90 Tagen nach dem akuten Schlaganfall.

Ergebnisse: In das Register wurden 1.000 Patienten eingeschlossen, bei denen nach einem akuten ischämischen Insult eine orale Antikoagulation erfolgte. Die Patienten waren im Mittel 75 Jahre alt und etwa die Hälfte hatte paroxysmales Vorhofflimmern. Bei etwa 12 % der Patienten erfolgte eine Überbrückungstherapie mit Thrombozytenfunktionshemmern. Bei 73 Patienten (20 %) erfolgte ein Bridging mit niedermolekularem Heparin in PTT-wirksamer Dosis. Prädiktoren für ein Bridging waren ein höheres Lebensalter und der Nachweis einer Leukoariose. Den primären Endpunkt erreichten 42 Patienten in der Bridginggruppe (11,3 %) verglichen mit 72 Patienten (5 %) in der Gruppe der Patienten ohne Bridging. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. In einer multivariaten Analyse war das Bridging auch signifikant mit ischämischen Ereignissen und Blutungskomplikationen assoziiert.

Schlussfolgerungen: Ein Bridging mit niedermolekularem Heparin bei Patienten mit ischämischem Insult und Vorhofflimmern hat keinen therapeutischen Nutzen bezüglich der Verhinderung von ischämischen Ereignissen und führt zu einer erhöhten Rate an Blutungskomplikationen.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Die Studie bestätigt zum wiederholten Mal die Empfehlungen der DGN

Die in der Zeitschrift „Stroke“ publizierte Registeranalyse bestätigt, was wir seit mehr als 15 Jahren aus älteren randomisierten Studien bereits wussten. In diesen Studien war bei Patienten mit akutem ischämischem Insult und Vorhofflimmern eine Vollheparinisierung mit der Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern verglichen worden. Die Studien hatten einheitlich keinen therapeutischen Nutzen der Vollheparinisierung, aber ein erhöhtes Blutungsrisiko belegt [1]. Warum sich jetzt immer noch Schlaganfallzentren dazu entschließen, bei bis zu 20 % aller Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfall ein Bridging mit Heparin oder niedermolekularem Heparin durchzuführen, entzieht sich der Vorstellungskraft des Referenten. Die Registerstudie bestätigt zum wiederholten Mal die Empfehlungen der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), dass das Zeitintervall zwischen akutem ischämischen Insult und Beginn der Antikoagulation mit Thrombozytenfunktionshemmern überbrückt werden sollte.

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LDL-Cholesterin, ein kausaler Risikofaktor für den ischämischen Schlaganfall

Die Hypercholesterinämie ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse. Seit der Heart-Protection- und der SPARCL-Studie ist der Einsatz von Statinen auch bei Schlaganfallpatienten evidenzbasiert. Diesen Artikel finden Sie, indem Sie den Titel in die Suche eingeben.

Referenz

  1. 1.
    Whiteley WN et al. Lancet Neurol 2013; 12: 539–45CrossRefGoogle Scholar

Literatur

  1. Altavilla R, Caso V, Bandini F et al. Anticoagulation after stroke in patients with atrial fibrillation. Stroke 2019; 50: 2093–100CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

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