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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 10, pp 10–10 | Cite as

Prävalenz von Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Erschreckend hoher Anteil von Schülern mit chronischen Kopfschmerzen

  • Hans-Christoph DienerEmail author
journal club
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Fragestellung: Wie häufig sind Kopfschmerzen bei Schülern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren?

Hintergrund: Kopfschmerzen sind bereits bei Kindern und Jugendlichen häufig. Es gab in Deutschland in der Vergangenheit eine Reihe von epidemiologischen Studien zu Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Die hier vorliegende Studie wurde in Dresden durchgeführt und konzentrierte sich überwiegend darauf, wie häufig Kopfschmerzen bei Schulkindern sind, welche Arten von Kopfschmerzen bestehen, und wie diese behandelt werden. Außerdem sollte untersucht werden, ob es Prädiktoren für das Auftreten von Kopfschmerzen gibt.

Patienten und Methodik: Es handelt sich um eine fragebogenbezogene Querschnittsstudie, an der 2.706 Kinder und Jugendliche in Dresden teilnahmen, welche die Grundschule oder eine weiterführende Schule besuchten. Es nahmen 1.162 Mädchen und 1.344 Jungen teil. Neben dem Auftreten von Kopfschmerzen wurde erfragt, wie diese behandelt werden. Außerdem wurden Faktoren erfasst, die als mögliche Prädiktoren für Kopfschmerzen zu betrachten sind.

Ergebnisse: Von den befragten Kindern gaben 32 % an, nie unter Kopfschmerzen zu leiden. Dagegen gaben 68 % der Schülerinnen und Schüler an, regelmäßig unter Kopfschmerzen zu leiden. Insgesamt 36,6 % berichteten, mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen zu haben und 31,5 % litten an zwei oder mehr Tagen im Monat an Kopfschmerzen. Die Häufigkeit chronischer Kopfschmerzen, definiert als mehr als 15 Kopfschmerztage im Monat, betrug 7 %. Bei Mädchen lag die Prävalenz von Kopfschmerzen mit 73 % signifikant höher als bei Jungen mit 63 %. Es ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Kopfschmerzen und Fehltagen in der Schule. Von den Kindern, die mindestens zweimal im Monat unter Kopfschmerzen litten, gaben 48 % an, Analgetika einzunehmen. In den meisten Fällen handelte es sich um Ibuprofen oder Paracetamol.

Bei 89 % aller Kinder mit seltenen Kopfschmerzen und bei 68 % der Kinder mit häufigeren Kopfschmerzen lag keine spezifische Kopfschmerzdiagnose vor. Arztbesuche waren selten. In einem binären logistischen Regressionsmodell ergaben sich die folgenden Prädiktoren für Kopfschmerzen: weibliches Geschlecht, mangelnde sportliche Aktivität, Koffeinkonsum, eine Familienanamnese von Kopfschmerzen, eine Anamnese von Schmerzen anderer Art, die Einnahme von Analgetika und die regelmäßige Einnahme anderer Medikamente.

Schlussfolgerungen: Ein erheblicher Prozentsatz von Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter leidet unter Kopfschmerzen. Bei dem überwiegenden Anteil der Schülerinnen und Schüler liegt keine spezifische Kopfschmerzdiagnose vor.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Die Bildschirmzeit wurde leider nicht abgefragt

Die Daten aus der Dresdener Kopfschmerzstudie mit Kindern und Jugendlichen fallen ähnlich aus wie diejenigen, die in früheren epidemiologischen Studien [1] unter anderem von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) berichtet wurden [2]. Erschreckend ist der hohe Anteil von chronischen Kopfschmerzen von 7 %. Ebenfalls erschreckend ist die Beobachtung, dass bei den meisten Kindern und Jugendlichen keine spezifische Kopfschmerzdiagnose vorliegt. Dies erschwert mit Sicherheit die Behandlung, wenn die Jugendlichen älter werden und tatsächlich unter einer Migräne leiden. Die Studie hat nicht erfragt, ob nicht medikamentöse Maßnahmen durchgeführt wurden. Die Studie fand viele der Prädiktoren, die auch in anderen Studien zu pädiatrischen Kopfschmerzen erfasst wurden. Wenig überraschend ist die Tatsache, dass Kopfschmerzen mit der Einnahme von Schmerzmitteln korrelieren. Immer wieder wird die Beobachtung gemacht, dass insbesondere mangelnde körperliche Aktivität das Risiko für Kopfschmerzen erhöht. Die Studie hat leider nicht nach dem Bildschirmkonsum gefragt, ein ganz wichtiger Risikofaktor für das Auftreten und die Verschlechterung von Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen.

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Referenzen

  1. 1.
    Kröner-Herwig B et al. Cephalalgia 2007; 27: 519–2727CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Straube A et al. Dtsch Arztebl Int 2013;110: 811–8PubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Literatur

  1. Nieswand V, Richter M, Berner R et al. The prevalence of headache in German pupils of different ages and school types. Cephalalgia 2019; 39: 1030–40CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-EssenEssenDeutschland

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