Advertisement

InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 3–3 | Cite as

Neue Daten vom ESO-Kongress mit praktischer Konsequenz

  • Hans-Christoph DienerEmail author
editorial
  • 20 Downloads

© samunella / stock.adobe.com

Diese Ausgabe der InFo Neurologie + Psychiatrie beschäftigt sich in ihrem neurologischen Teil des „Journal clubs“ ganz überwiegend mit neuen Studien, die beim europäischen Schlaganfall-Kongress im Mai 2019 in Mailand vorgestellt wurden (Seite 23 – 30). Der Kongress der European Stroke Organization (ESO) entwickelt sich zum weltweit größten wissenschaftlichen Kongress zur Epidemiologie, Pathophysiologie, Prävention und Therapie von zerebralen Durchblutungsstörungen. In diesem Jahr nahmen mehr als 4.500 Ärztinnen und Ärzte teil. Damit ist der europäischen Schlaganfall-Kongress deutlich größer als der US-amerikanische.

Wesentliche Fortschritte gibt es in der systemischen Thrombolyse beim akuten ischämischen Insult. Die EXTEND-Studie aus Australien untersuchte das Konzept, dass mithilfe des Perfusionsimaging Schlaganfallpatienten im Zeitfenster zwischen viereinhalb und neun Stunden identifiziert werden können, die noch von einer systemischen Thrombolyse profitieren können. Dies ließ sich in der EXTEND-Studie bei 295 Patienten nachweisen. Die Autoren führten dann eine Metaanalyse mit ECASS-4 und EPITHET durch. Diese umfasst 414 Patienten, die ebenfalls mit funktioneller Bildgebung im Zeitfenster zwischen viereinhalb und neun Stunden eingeschlossen wurden und eindeutig einen Nutzen einer systemischen Thrombolyse zeigten. Die praktische Konsequenz für die Versorgung ist, dass in Zukunft nicht mehr ein striktes Fenster von viereinhalb Stunden für die systemische Thrombolyse gilt, sondern ein Zeitfenster, das sich jenseits von vier Stunden an der funktionellen Bildgebung mit Nachweis einer Penumbra orientiert.

Völlig ungeklärt war bisher, ob es bei Patienten, die unter antithrombotischer Therapie eine zerebrale Blutung erleiden, möglich ist, zur Vorbeugung vaskulärer Erkrankungen erneut mit Thrombozytenfunktionshemmern zu behandeln. Dies untersuchte die RESTART-Studie mit 537 Teilnehmen. Die große Überraschung der Studie war, dass bei Patienten, denen erneut Thrombozytenfunktionshemmer gegeben wurden, das Risiko einer erneuten intrazerebralen Blutung sogar niedriger war als bei Patienten, die keine weitere antithrombotische Therapie erhielten.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Frage, ob zerebrale Mikroblutungen eine Rolle für das Risiko intrazerebraler Blutungen unter einer antithrombotischen Therapie spielen. In einer großen Kohortenanalyse von 38 Studien zeigte sich, dass zerebrale Mikroblutungen in der Kernspintomografie einen Risikofaktor für sowohl zukünftige ischämische Insulte als auch intrazerebrale Blutungen darstellen. Das absolute Risiko ist allerdings für ischämische Insulte deutlich höher als für intrazerebrale Blutungen, sodass bei diesen Patienten eine antithrombotische Therapie möglich ist. Ungeklärt ist allerdings, ob bei einer hohen Zahl von zerebralen Mikroblutungen und einem Vorliegen von Vorhofflimmern eine orale Antikoagulation durchgeführt werden kann.

Beim europäischen Schlaganfall-Kongress wurde auch eine individuelle Patienten-Metaanalyse von drei Studien vorgestellt, bei denen das Stenting von symptomatischen Vertebralisstenosen mit der bestmöglichen konservativen Therapie verglichen wurde. Ähnlich wie bei der Therapie von hochgradigen intrakraniellen Stenosen war das Stenting mit einer hohen Komplikationsrate behaftet und weniger wirksam als eine optimale medikamentöse Therapie.

Zusammengefasst hat der europäische Schlaganfall-Kongress eine Vielzahl von spannenden Vorträgen geboten. Viele der vorgestellten Studien werden zu Änderungen der praktischen Versorgung von Patienten mit Schlaganfällen führen.

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Fakultät der UniversitätDuisburg-EssenDeutschland

Personalised recommendations