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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 20–20 | Cite as

Tranexamsäure bei spontanen intrazerebralen Blutungen

Keine Wirksamkeit

  • Springer Medizin
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Fragestellung: Ist Tranexamsäure, eine antifibrinolytische Substanz, zur Behandlung spontaner intrazerebraler Blutungen wirksam?

Hintergrund: Patienten mit spontanen intrazerebralen Blutungen, die nicht traumatisch und nicht durch Antikoagulanzien bedingt sind, haben eine Sterblichkeit von 20–25 %. Bei etwa 25–30 % der Patienten kommt es nach der initialen Blutung zu einer Größenzunahme des initialen Hämatoms. Tranexamsäure ist eine antifibrinolytische Substanz, die gegenüber Placebo ihre Wirksamkeit bei posttraumatischen intrazerebralen Blutungen und bei postpartalen Blutungen gezeigt hat.

Patienten und Methodik: In der internationalen randomisierten placebokontrollierten Studie erhielten Patienten mit intrazerebralen Blutungen entweder 1 g Tranexamsäure intravenös als Bolus, gefolgt von einem weiteren Gramm mit einem Perfusor über acht Stunden, oder Placebo. Die Einschlusszeit war innerhalb von acht Stunden nach Beginn der Symptomatik. Der primäre Studienendpunkt war der funktionelle Status am Tag 90, gemessen mit der modifizierten Rankin-Skala.

Ergebnisse: Die 2.925 Studienteilnehmer waren im Mittel 69 Jahre alt, 56 % waren männlich. Ein Drittel der Patienten wurde innerhalb von drei Stunden behandelt. Bei 25 % der Patienten bestand eine Vorbehandlung mit Thrombozytenfunktionshemmern. Antikoagulierte Patienten wurden von der Studie ausgeschlossen. Die Schwere des Schlaganfalls auf der NIHSS-Skala betrug im Mittel 13. 32 % der Blutungen waren lobär, 59 % im Marklager und 6 % infratentoriell. Bei den übrigen Blutungen handelt es sich um Kombinationen verschiedener Lokalisationen. Das mittlere Volumen der Blutungen betrug 13 ml. Der primäre Endpunkt war mit einer Odds Ratio von 3‚8 nicht signifikant unterschiedlich. Die Mortalität nach sieben Tagen betrug 9 % versus 11 % für Tranexamsäure versus Placebo und die Sterblichkeit am Tag 90 22 % in der mit Tranexamsäure behandelten Gruppe versus 21 % in der Placebogruppe. Auch für den Status bei Entlassung (nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung) ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.

Schlussfolgerung: Tranexamsäure ist bei Patienten mit spontanen intrazerebralen Blutungen, die nicht durch eine Antikoagulation oder ein Trauma bedingt sind, nicht wirksam.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Keine Option bei spontanen Hirnblutungen

Die hier vorliegende Studie ist außerordentlich wichtig, da in den Leitlinien immer wieder sehr kontrovers diskutiert wurde, ob Tranexamsäure bei Patienten mit spontanen intrazerebralen Blutungen eingesetzt werden sollte. Die Ergebnisse dieser Studie stehen im Gegensatz zu Studien zum Einsatz von Tranexamsäure bei posttraumatischen Blutungen, wo die Substanz in mehreren Studien Wirksamkeit zeigte. Die Autoren diskutieren, ob möglicherweise eine Einschlusszeit von acht Stunden bis zum Beginn der Therapie zu lang war. Auf der anderen Seite muss auch berücksichtigt werden, dass dieses Einschlussfenster die klinische Alltagsrealität widerspiegelt. Zusammengefasst kann Tranexamsäure zur Behandlung primärer intrazerebraler Blutungen nicht empfohlen werden.

Literatur

  1. Sprigg N, Flaherty K, Appleton JP et al. Tranexamic acid for hyperacute primary intra-cerebral Haemorrhage (TICH-2): an international randomised, placebo-controlled, phase 3 superiority trial. Lancet 2018; 391: 2107–15CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

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