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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 6, pp 12–12 | Cite as

Dissektion von Arteria carotis interna oder Arteria vertebralis

Plättchenhemmer und Vitamin-K-Antagonist gleich wirksam zur Schlaganfallprophylaxe

  • Hans-Christoph DienerEmail author
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Fragestellung: Sollten bei Patienten mit Dissektion der Arteria carotis interna oder Arteria vertebralis zur Schlaganfallprävention Antikoagulanzien oder Thrombozytenfunktionshemmer eingesetzt werden?

Hintergrund: Dissektionen der Arteria carotis interna oder der Arteria vertebralis sind für 1–2 % aller ischämischen Schlaganfälle verantwortlich. Bei unter 50-Jährigen macht das 10–15 % aller ischämischen Insulte aus. Bisher ist allerdings nicht gut untersucht, ob die Sekundärprävention mit Thrombozytenfunktionshemmern oder mit Antikoagulanzien durchgeführt werden sollte.

Patienten und Methodik: CADISS (Cervical Artery Dissection Study) war eine randomisierte prospektive offene multizentrische Studie, die in 39 Schlaganfallzentren in Großbritannien und Australien zwischen 2006 und 2013 durchgeführt wurde. Die Endpunkte der Studie wurden verblindet adjudiziert. Die Studie schloss Patienten mit extrakraniellen Dissektionen der Arteria carotis interna oder der Arteria vertebralis ein, bei denen die Schlaganfallsymptome höchstens sieben Tage bestanden. Der Nachweis für die Dissektion musste per Kernspintomografie oder CT-Angiografie erfolgt sein. Die Patienten erhielten entweder eine Antikoagulation, initial mit niedermolekularem Heparin gefolgt von Warfarin oder eine Therapie mit Thrombozytenfunktionshemmern wobei hier Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel oder ASS plus Dipyridamole erlaubt waren. Die Patienten wurden nach drei Monaten nachuntersucht und ein Telefonkontakt erfolgte nach sechs und zwölf Monaten. Der primäre Endpunkt der Studie war ein ipsilateraler Schlaganfall oder Tod innerhalb von drei Monaten nach der Randomisierung. Der primäre Sicherheitsendpunkt war schwerwiegende Blutungskomplikationen.

Ergebnisse: In die Studie wurden 350 Patienten aufgenommen. Das mittlere Alter betrug 49 Jahre und 70 % der Patienten waren Männer. 47 % wiesen eine Kartotisdissektion auf, 19 % hatten eine transitorische ischämische Attacke (TIA) und die übrigen Patienten einen ischämischen Schlaganfall erlitten. Bei 118 Patienten war die Carotis interna betroffen und bei 132 die Arteria vertebralis. Ein erneuter Schlaganfall nach einem Jahr wurde bei elf Patienten festgestellt (2,4 %). Für keinen der primären oder sekundären Endpunkte ergab sich ein Unterschied zwischen den beiden Therapiegruppen. Dies betraf auch schwerwiegende Blutungen, die nur bei einem der antikoagulierten Patienten beobachtet wurden. Die Autoren untersuchten auch, welche Faktoren dazu beitragen, dass das ursprüngliche Volumen der betroffenen Arterie nicht mehr erreicht wurde. In einer multivariablen Analyse war dies nur für zunehmendes Alter der Fall.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit einer extrakraniellen Dissektion der Arteria carotis interna oder der Arteria vertebralis ist eine Antikoagulation mit einem Vitamin-K-Antagonisten genauso wirksam wie eine Behandlung mit Thrombozytenfunktionshemmern.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Pragmatische Lösung: erst Heparin, dann Plättchenhemmer

Die CADISS-Studie beantwortet die seit langem umstrittene Frage, ob bei Patienten mit extrakraniellen Karotisdissektionen eine Antikoagulation oder eine Behandlung mit Throm-bozytenfunktionshemmern erfolgen sollte. In der vorliegenden Studie waren beide Therapien gleich wirksam, wobei kritisch anzumerken ist, dass die Rate rezidivierender Schlaganfälle mit 2,4 % in einem Jahr erfreulicherweise erstaunlich gering war. Die Studie wurde mit Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin) durchgeführt. Angesichts der minimalen Rate an schwerwiegenden Blutungskomplikationen (ein Patient) ist die Frage müßig, ob ein unterschiedliches Ergebnis erzielt worden wäre, wenn nicht Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien (NOAK) eingesetzt worden wären. Eine pragmatische Lösung für die zukünftige Sekundärprophylaxe bei diesen Patienten ist, initial mit niedermolekularem Heparin zu beginnen und dann auf Thrombozytenfunktionshemmer umzustellen.

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Literatur

  1. Markus HS, Levi C, King A et al. Antiplatelet therapy vs anticoagulation therapy in cervical artery dissection: The Cervical Artery Dissection in Stroke Study (CADISS) Randomized Clinical Trial final results. JAMA Neurology 2019; doi:10.100/jamaneurol.2019.0072Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-EssenEssenDeutschland

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