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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 21, Issue 6, pp 10–10 | Cite as

Patientenmanagement beim idiopathischen Parkinson-Syndrom

Betreuung durch Parkinson-Schwestern verbessert die Versorgung

  • Heinz ReichmannEmail author
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Fragestellung: Verbessert eine systematische Betreuung durch speziell geschulte Parkinson-Schwestern die Versorgung von Parkinson-Patienten?

Hintergrund: Die Parkinson-Erkrankung führt nicht nur zu motorischen Störungen, sondern auch zu vielfältigen nicht motorischen Störungen, die erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Aktivitäten des täglichen Lebens verursachen. In den USA behandelte das Department of Veterans Affairs im Jahr 2016 50.000 bis 110.000 an Parkinson erkrankte ehemalige Soldaten. Die Autorengruppe wollte die Versorgung dieser Patientengruppe durch ein Care Management Programm verbessern.

Patienten und Methodik: Es handelte sich um eine randomisierte Studie zu einem von speziell geschulten Schwestern geleiteten Versorgungskonzept an fünf US-amerikanischen Veterans Hospitals. Patienten, die mindestens zweimal innerhalb einer zwölfmonatigen Periode als an Parkinson erkrankt klassifiziert wurden, konnten in das Interventionsprogramm oder in die übliche Patientenversorgung randomisiert werden. Bei Studienbeginn nach sechs, zwölf und 18 Monaten wurden die Patienten telefonisch zu sechs primären Outcome-Indikatoren und weiteren sekundären Parametern befragt. Die Intervention erfolgte durch speziell geschulte Schwestern, die engen Kontakt mit den Parkinson-Spezialisten hielten. Zu den primären Studienzielen gehörten Kommunikation, Gesundheitspflege, nicht motorische Symptome, Stürzen, Medikation und Nebenwirkungen, Management von motorischen Symptomen und nicht motorischen Komplikationen sowie nicht pharmakologische Therapieformen und palliative Maßnahmen. Die Studienschwestern entwickelten zusammen mit dem Patienten problemspezifische Interventionen. So wurden beispielsweise ausführliche Informationen über das Krankheitsbild gegeben und es wurde versucht, mithilfe der Angehörigen gemeinsam Probleme zu lösen und, falls notwendig, Einweisungen vorzunehmen. Darüber hinaus wurden problemspezifische Algorithmen angewendet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 328 Patienten (95 % Männer, Durchschnittsalter 70 Jahre) in die Studie aufgenommen. Davon waren nach 24 Monaten noch 69 % erreichbar. In der Interventionsgruppe wurde bei sechs von neun Kategorien eine bessere Adhärenz festgestellt als bei den auf die übliche Weise behandelten Patienten. Dazu gehörten das Assessment, die Bestimmung von nicht motorischen Symptomen und Stürzen, die Registrierung und Beratung bezüglich Nebenwirkungen, das Management von motorischen Symptomen und nicht motorischen Komplikationen sowie die Verwendung von nicht pharmakologischen Therapieformen und palliativer Versorgung. Nach 24 Monaten war im Interventionsarm bezüglich der sekundären Studienparameter lediglich der „Depression Screener“ signifikant besser, sodass insgesamt eine geringere depressive Symptomatik im Interventionsarm festgestellt werden konnte.

Schlussfolgerungen: Das Patientenmanagement verbesserte die Adhärenz für viele Parkinson-Qualitätsindikatoren, was die primäre Studienhypothese stützt. Besonders hervorzuheben ist die Reduktion der Depressionsrate.

Kommentar von Heinz Reichmann, Dresden

Auch für Deutschland ein interessanter Ansatz

Dieses von Parkinson-Schwestern geführte Management-Programm, das insbesondere auf dem engen Kontakt mit den Patienten beruhte, führte zu einer substanziellen Verbesserung der Adhärenz der wichtigsten Indikatoren bezüglich der Parkinson-Erkrankung, also Toleranz von Nebenwirkungen, Einnahmesicherheit der Medikamente sowie Verbesserung depressiver Symptome. Ob sich insgesamt der hohe Aufwand bei der doch nur teilweise erfolgreichen Studie lohnt, muss aus meiner Sicht allerdings offen bleiben. Für die Patienten, die quartalsweise ambulant oder stationär zum Parkinson-Spezialisten kommen, ist aus meiner Sicht eine ähnlich gute Betreuung gegeben. Anders sieht es sicherlich für die deutschen Patienten aus, die sich aufgrund ihrer Wohnsituation nicht mehr persönlich beim Parkinson-Spezialisten vorstellen können. Hier sollte in Deutschland ebenfalls ein Programm mit speziell geschulten Parkinson-Schwestern initiiert werden.

Prof. Dr. med. Heinz Reichmann, Dresden

Literatur

  1. Connor KI, Cheng EM, Barry F et al. Randomized trial care management to improve Parkinson disease care quality. Neurology 2019; 29: e1831–42CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dekan der MedizinischenDresdenDeutschland

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