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InFo Neurologie & Psychiatrie

, Volume 20, Issue 7–8, pp 18–18 | Cite as

Monoklonaler Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor bei episodischer Migräne

Weniger Migränetage, gute Verträglichkeit

  • Hans-Christoph Diener
journal club

Fragstellung: Ist Erenumab, ein gegen den Rezeptor des Calcitonin gene-related peptide (CGRP) gerichteter, monoklonaler humaner Antiköper bei der Vorbeugung der episodischen Migräne wirksam?

Hintergrund: Das Neuropeptid CGRP spielt eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne. Während einer Migräneattacke wird CGRP im Gehirn ausgeschüttet und ist dann im venösen Blut der Vena jugularis nachzuweisen. Wird die Migräneattacke erfolgreich mit Sumatriptan subkutan behandelt, normalisieren sich die erhöhten CGRP-Spiegel. Zur präventiven Behandlung der Migräne wurde eine Reihe von humanen monoklonalen Antikörpern entweder gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor entwickelt. Alle diese Substanzen waren in Phase-II-Studien in der Migräneprophylaxe wirksam und einer Behandlung mit Placebo überlegen. Bei der ARISE-Studie handelt es sich um die Phase-III-Studie, die zur Zulassung von Erenumab bei der episodischen Migräne führen soll.

Patienten und Methodik: In die randomisierte doppelblinde placebokontrollierte Phase-III-Studie wurden 577 Patienten mit episodischer Migräne eingeschlossen. Die Patienten erhielten entweder alle vier Wochen 70 mg Erenumab subkutan oder Placebo. Der primäre Endpunkt war die Abnahme der Migränetage pro Monat. Sekundäre Endpunkte waren die Reduktion der monatlichen Migränetage um ≥ 50%, die Veränderung der Tage an denen eine migränespezifische symptomatische Akutmedikation (z. B. Triptane) eingenommen wurde und eine Verbesserung um fünf oder mehr Punkte des Physical Impairment and Impact on Everyday Activities Domain Score. Diese Endpunkte wurden am Ende der dreimonatigen Behandlungsphase erfasst.

Ergebnisse: Die Patienten waren im Mittel 42 Jahre alt und 85% waren Frauen. Die Migräne bestand im Mittel seit 33 Jahren. Etwa die Hälfte der Patienten hatte eine Migräne mit Aura. Rund 50% der Patienten hatte bisher keine Migräneprophylaxe erhalten. 60% der Patienten nahmen spezifische Migränemittel wie Triptane ein. Die Zahl der Migränetage pro Monat betrug bei Studienbeginn im Mittel 8,2 Tage. Unter Erenumab kam es innerhalb von drei Monaten zu einer Abnahme von 2,9 Migränetagen pro Monat verglichen mit 1,8 Tagen unter Placebo (p = 0,001) signifikant. Eine mindestens 50%ige Reduktion der monatlichen Migränetage erreichten 39,7% der Patienten unter Erenumab und 29,5% unter Placebo (OR 1,59, 95%-KI 1,12–2,27, p = 0,010. Es zeigte sich auch eine signifikante Reduktion der Tage, an denen spezifische Migränemedikamente eingenommen wurden, wobei die Reduktion 1,2 Tage unter Erenumab und 0,6 Tage unter Placebo betrug. Dieser Unterschied war mit einem p-Wert von 0,002 signifikant. Die Leistungsfähigkeit war nicht unterschiedlich. Erenumab hatte ein Nebenwirkungsprofil wie Placebo. Gelegentlich kam es zu Infektionen der oberen Atemwege und einige Patienten beklagten Schmerzen an der Injektionsstelle. Nur fünf Patienten beendeten in der Erenumabgruppe die Behandlung wegen Nebenwirkungen.

Schlussfolgerung: Erenumab reduziert in einer Dosis von 70 mg subkutan einmal monatlich signifikant die Anzahl der Migränetage pro Monat im Vergleich zu Placebo.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

Das wichtigste Ergebnis ist die gute Verträglichkeit

Die ARISE-Studie zeigt, dass der gegen den CGRP-Rezeptor gerichtete monoklonale Antikörper Erenumab in der Prophylaxe der Migräneprophylaxe wirksam ist. Auf den ersten Blick ist natürlich eine Reduktion um einen Migränetag pro Monat mehr als unter Placebo nicht sehr eindrucksvoll. Im klinischen Alltag werden allerdings Patienten nicht mit Placebo, sondern mit Verum behandelt und hier ist eine Reduktion um drei Migränetage durchaus relevant. Das wichtigste Ergebnis dieser Studie ist allerdings die gute Verträglichkeit von Erenumab.

Es brachen nur ganz wenige Patienten die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab, wobei hier die Erfahrung mit den üblichen oralen Migräneprophylaktika wie Betablockern, Topiramat oder Valproinsäure eine andere ist. Bei diesen Substanzen brechen bis zu 30 % der Patienten innerhalb der ersten drei Monate die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Ein weiterer Vorteil ist die Gewährleistung der Compliance, da das Medikament subkutan indiziert wird.

Die Ergebnisse dieser Phase-III-Studie sind ausreichend, um eine Zulassung in der europäischen Zulassungsbehörde zu beantragen. Ob Erenumab zur Behandlung der episodischen Migräne durch den gemeinsamen Bundesausschuss zur Erstattung empfohlen wird, ist im Moment noch nicht abzusehen.

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Literatur

  1. Dodick DW, Ashina M, Brandes JL et al. ARISE: A Phase 3 randomized trial of erenumab for episodic migraine. Cephalalgia 2018; 38: 1026–37CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universitätsklinikum EssenEssenDeutschland

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