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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 11, pp 71–71 | Cite as

Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom

Checkpointinhibition auch bei treibermutierten NSCLC?

  • Moritz Borchers
Onkologie aktuell
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Nichtkleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC), die onkogene Treiber wie EGFR- oder ALK-Mutationen aufweisen, werden üblicherweise mittels zielgerichteter TKI-Therapie behandelt. Ob hier auch die Checkpointinhibition wirkt, wurde in aktuellen Studien geprüft. Die medikamentöse Blockade der Immuncheckpoints PD-1 („programmed cell death protein 1“) bzw. PD-L1 („programmed cell death ligand 1“) habe in der Erstlinientherapie von Patienten mit EGRR(„epidermal growth factor receptor”)- bzw. ALK(„anaplastic lymphoma kinase“)-mutierten NSCLC keinen Stellenwert, fasste Sonja Loges, Hamburg-Eppendorf, die aktuelle Datenlage zusammen.

Nach dem Versagen einer Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) könne dagegen die Behandlung mit der antiangiogenen Chemotherapiekombination Bevacizumab/Carboplatin/Paclitaxel (BCP) plus Checkpointhemmung (CPI) mittels Atezolizumab (A) bei EGFR/ALK-positiven NSCLC-Patienten erwogen werden. Grundlage hierfür seien Daten der IMpower150-Studie [Socinski MA et al. N Engl J Med. 2018;378(24):2288-301]. In dieser Studie fielen Gesamt- und progressionsfreies Überleben (OS und PFS) bei NSCLC-Patienten unter ABCP besser aus als unter BCP — unabhängig vom EGFR/ALK-Status. Loges plädierte allerdings dafür, nach einem Progress unter TKI-Therapie zunächst eine Re-Biopsie durchzuführen, um den zugrundeliegenden Resistenzmechanismus aufzuklären und die nachfolgende Therapie entsprechend auszurichten.

Bei Patienten mit EGFR-/ALK-mutierten NSCLC sei eine anti-PD-(L)1-Monotherapie allenfalls eine Option, wenn Standardtherapien versagt hätten, lautete die Einschätzung von Loges; das PFS unter einer alleinigen CPI in der Zweitlinie sei indes schlechter als unter Docetaxel.

Bei seltenen EGFR-Mutationen und anderen seltenen Treibermutationen sei die Datenlage zur Wirksamkeit der CPI insgesamt unklar, fasste Loges die Ergebnisse diverser Studien zusammen: „Bei BRAF ist sie eher wirksam, bei MET widersprüchlich und bei RET eher nicht“.

Loges empfahl, bei Therapiedruck zunächst ein CPI-freies Regime zu wählen, bevor der molekularpathologisch Befund vorliege.

Warum wirkt die CPI bei Treibermutationen eher nicht?

„Die zugrundeliegenden Mechanismen sind nicht gut erforscht”, erklärte Loges. Dennoch berichtete sie aus der Literatur einige Hinweise, welche erklären könnten, warum die gegen PD-(L)1 gerichtete CPI bei treibermutierten NSCLC tendenziell nicht (gut) wirksam ist [Dong ZY et al. Oncoimmunology. 2017];6(11):e1356145]:
  • Bei EGFR-mutierten NSCLC ist die PD-L1-Expression niedriger als bei EGFR-Wildtyp-NSCLC.

  • EGFR-mutierte NSCLC zeichnen sich durch ein noninflammatorisches („kaltes”) Tumormicroenvironment aus. Konkret heißt das unter anderem, dass weniger Immunzellen in die Tumoren einwandern.

  • Die Tumormutationslast ist bei EGFR-mutierten NSCLC — insbesondere bei solchen, die für eine TKI-Therapie sensitiv sind — niedriger als bei EGFR-Wildtyp-Tumoren. Das bedeutet ein geringeres immunogenes Potenzial der EGFR-mutierten Tumoren.

Literatur

  1. Bericht von der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 11. bis 14. Oktober in BerlinGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Moritz Borchers
    • 1
  1. 1.

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