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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 11, pp 68–68 | Cite as

Multiples Myelom: Was genau heißt Hochrisiko?

  • Friederike Klein
Onkologie aktuell
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Was genau eine Hochrisikosituation beim multiplen Myelom (MM) ausmacht, ist noch „Work in Progress“. In Studien wird die Hochrisikosituation entsprechend unterschiedlich definiert. Das muss bei der Interpretation ihrer Ergebnisse beachtet werden.

2005 war die Situation noch einfach, erklärte Mascha Binder, Halle: Im Internatinalen Staging System (ISS) wurde ein Beta2-Mikroglobulin-Serumspiegel von 5,5 mg/l als Hochrisikomarker (ISS 3) definiert. Dieser ging in einer Kohorte von insgesamt 10.750 bislang unbehandelten symptomatischen Patienten mit MM mit einem medianen Gesamtüberleben von nur 29 Monaten einher [Greipp PR et al. J Clin Oncol. 2005;23(15):3412-20].

2016 kamen zytogenetische Risikofaktoren und ein hoher LDH(Lactatdehydrogenase)-Spiegel hinzu — Hochrisikopatient war derjenige, der neben einem ISS-3-Score in der FISH-Analyse eine Translokation (t) (4;14) oder t(14;16) oder eine Deletion 17p (del[17p]) oder einen hohen LDH-Spiegel aufwies [Palumbo A et al. J Clin Oncol. 2015; 33(26):2863-9]. Die Analysemethoden haben sich weiter entwickelt und so sind weitere Hochrisikomarker hinzugekommen.

Del(17p) ist nicht alles

Del(17p) führt zur Ausschaltung eines TP53-Allels. Tritt auf dem anderen Allel im TP53-Gen eine Mutation auf, kann es zu einem biallelische TP53-Verlust kommen, erläuterte Binder. Die Häufigkeit einer solchen biallelische Deletion nimmt mit zunehmendem Stadium des Myeloms zu: Bei der Plasmazell-Leukämie finden sich del(17p) bei 50–75 % und eine TP53-Mutation bei bis zu 25 % der Patienten. Der zusätzliche Erwerb einer TP53-Mutation kann auch ganz unterschiedliche Verläufe von Patienten mit del(17p) erklären, erläuterte Binder. Zudem kann das normale TP53-Allel auch durch die Methylierung des Promotors oder durch eine aberrante Regulation durch Mikro-RNAs (miRNA) inaktiviert werden. Als Surrogatparameter kann die Klongröße über FISH als praktikable Richtgröße verwendet werden. „Das ist komplexer, als wir das in diagnostischen Algorithmen abbilden“, gab Binder zu. Und das gilt auch für t(4;14) oder 1q-Zugewinne. „Kein Wunder, dass wir noch keinen Konsens über Hochrisikokriterien haben.“

Double-Hit-Gruppe

Aktuell wurde eine Gruppe von Patienten mit besonders hohem Risiko definiert, die einen „double hit“ aufweisen: ISS 3 und biallelische TP53-Inaktivierung und vier oder mehr Zugewinne von 1q. „Das ist eine Gruppe, die wir auf jeden Fall mit unseren Tests identifizieren müssen“, betonte Binder.

Sie empfahl in der FISH del(17p), t(4;14), t(14/16) und 1q-Zugewinne sowie für die ISS-Bestimmung im Blut Beta2-Mikroglobulin und Albumin im Serum und dazu als weiteren Faktor die LDH zu bestimmen.

Ein Marker für das Risiko ist aber auch der klinische Verlauf, ergänzte sie: Eine primär refraktäre Erkrankung, ein Rezidiv innerhalb eines Jahres nach Transplantation und eine hohe Paraproteindynamik in kurzen Therapiepausen weisen ebenfalls auf eine schlechte Prognose hin.

Literatur

  1. Bericht von der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 11. bis 14. Oktober in BerlinGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Friederike Klein
    • 1
  1. 1.

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