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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 11, pp 42–42 | Cite as

Cholecalciferol-Substitution

Schützt Vitamin D3 vor Tumor- und Herzleiden?

  • Hans-Christoph DienerEmail author
journal club
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Hintergrund und Fragestellung: Eine Reihe epidemiologischer Studien legt nahe, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Serumspiegeln und erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und maligne Tumore gibt. Daraus lässt sich jedoch nicht der Schluss ziehen, dass eine entsprechende Vitamin-D-Substitution tatsächlich eine präventive Wirkung hat. Bisherige Therapiestudien hatten eine zu geringe Patientenzahl, um diese Fragestellung zu untersuchen. Mit der vorliegenden Studie wurde die Fragestellung geprüft: Kann ein Nahrungszusatz mit Vitamin D3 (Cholecalciferol) das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen inklusive Schlaganfall oder das Auftreten maligner Tumore reduzieren?

Patienten und Methodik: Es handelt sich um eine randomisierte, placebokontrollierte Studie in den USA, in der Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren behandelt wurden. Die Behandlung erfolgte entweder mit Vitamin D3 (2.000 IU/d) oder Placebo. Der primäre Endpunkt war das Auftreten maligner Tumoren oder kardiovaskulärer Ereignisse — definiert als Schlaganfall, Myokardinfarkt oder vaskulärer Tod. In die Studie wurden 25.871 Personen ohne Vorgeschichte von malignen Tumoren oder kardiovaskulären Ereignissen aufgenommen.

Das mittlere Alter der Studienteilnehmer betrug 65 Jahre, 55 % waren Frauen. 7 % der Teilnehmer rauchten, 50 % hatten eine arterielle Hypertonie und 13,8 % einen Diabetes mellitus. Während der 5,3-jährigen Beobachtungszeit traten schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse bei 805 Teilnehmern auf (396 in der Vitamin-D-Gruppe, 409 in der Placebogruppe). Dies entspricht einer nicht signifikanten Hazard Ratio (HR) von 0,97. Die HR für Myokardinfarkte betrug 0,96, für Schlaganfall 0,95 und für kardiovaskulären Tod 1,1. Es ergaben sich auch keine Unterschiede für die Mortalität oder das Risiko maligner Tumore. Nebenwirkungen traten nicht auf.

In der Studie „The Vitamin D and Omega-3 Trial“ (VITAL) wurde u. a. geprüft, ob sich durch eine Supplementation mit Cholecalciferol (Vitamin D 3 ) das Risiko für kardiovaskuläre und Tumorerkrankungen senken lässt.

© shulevich / Fotolia [M]

Schlussfolgerungen: Eine Substitution mit Vitamin D bei ansonsten gesunden Personen kann weder das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse inklusive Schlaganfall noch das für maligne Tumoren reduzieren.

Kommentar von Hans-Christoph Diener, Essen

„Kein Nutzen der Substitution“

Zahlreiche Therapieempfehlungen, vor allem in der Laienpresse, stützen sich auf epidemiologische Daten, die eine Assoziation zwischen einem Umwelt- oder Ernährungsfaktor und bestimmten Krankheiten finden. Im vorliegenden Fall war es die Beobachtung, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Serumspiegel von Vitamin D und malignen Tumoren oder kardiovaskulären Erkrankungen gibt. Eine Assoziation belegt aber keinen kausalen Zusammenhang. Ob eine Substitution eines Vitamins tatsächlich einen therapeutischen Nutzen hat, kann dann nur, wie im vorliegenden Fall, durch große randomisierte, placebokontrollierte Studien belegt werden. Wie viele andere Substitutionsstudien mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsstoffen zeigt auch die vorliegende Studie keinen Nutzen einer Substitution. Daher sollte die Substitution nur den Patienten vorbehalten bleiben, die tatsächlich einen signifikant erniedrigten Vitamin-D-Spiegel haben. Der zu erwartende therapeutische Nutzen bezieht sich dann allerdings auf die Prävention der Osteoporose und nicht auf die Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen oder Krebs.

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener

Literatur

  1. Manson JE et al. Vitamin D supplements and prevention of cancer and cardiovascular disease. N Engl J Med 2019;380(1):33–44CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE)Duisburg-EssenDeutschland

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