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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 9, pp 67–67 | Cite as

Mehr Lebensqualität trotz Metastasierung

  • Beate Fessler
Onkologie aktuell
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Lebensqualität hat in der Medizin einen immer höheren Stellenwert. Auch zur Beurteilung des Nutzens einer Therapie wird zunehmend der Effekt auf die Lebensqualität herangezogen. Das gilt auch beim metastasierten Mammakarzinom. Im Fokus: das progressionsfreie Überleben.

Die Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ ist für Patientinnen katastrophal und erfordert eine Aufklärung mit Bedacht. Familie und Freunde sind häufig überfordert, sodass der Arzt als Gesprächspartner eine neue Dimension erhält. Wesentliches Ziel bei der Betreuung der Patientinnen ist der Erhalt der Lebensqualität. Und die ist, so erläuterte Christoph Thomssen, Haale/Saale, eng mit dem Überleben assoziiert. Selbst beim metastasierten triple-negativen Brustkrebs (TNBC) zeichnet sich unter einer Immuntherapie eine Verlängerung des Gesamtüberlebens ab.

Inzwischen könne bei allen Subtypen eine relevante Verlängerung des Überlebens erreicht werden. „Das müssen wir den Patientinnen sagen“, so Thomsson. Denn danach fragen die Patientinnen und darauf setzen sie ihre Hoffnung. Möglicherweise, so die Gedankenspiele mancher erkrankter Frauen, gelingt in diesem Zeitraum die Entwicklung eines Medikaments, das eine Heilung möglich macht.

Wie relevant ist das PFS?

Diskutiert wird, ob eine Erhöhung des progressionsfreien Überlebens (PFS) ein eigenständiger Benefit für die Patientinnen darstellt, auch ohne Vorteil im Gesamtüberleben.

Thomssen verwies hier auf die Befragung von Patientinnen in einem hypothetischen Szenario, bei dem ein PFS von 16 Monaten gegenüber zwölf Monaten erreicht wird, jedoch kein Einfluss auf das Gesamtüberleben. Dennoch sprachen sich 63 % der Patientinnen für die Medikation aus. Ob die Verlängerung des PFS durch eine chemotherapiefreie Behandlung die Lebensqualität erhöht, ist noch unklar. Tatsache aber ist, dass die Zeit der Symptomfreiheit verlängert wird und mehr TWiST („time without symptoms and toxicity“) und QALYs („quality adjustes life years“) erreicht werden.

Auch Renate Haidinger, München, von der Selbsthilfegruppe Brustkrebs Deutschland e. V. betonte die Bedeutung des PFS. Der Goldstandard werde immer das „overall survival“ bleiben, aber „eine Therapie, die weniger oder für die Patientin kaum wahrnehmbare Nebenwirkungen hat und durch die die Erkrankung möglichst lange stabil bleibt, hat für Patientinnen, deren Tumor gestreut hat, große Bedeutung“. Häufig sei dadurch ein normaler Alltag möglich.

Nebenwirkungen auch unter zielgerichteten Therapien

Relevant für die Lebensqualität sind auch die Nebenwirkungen einer Behandlung. Als chemotherapiebedingte Nebenwirkungen, die die Lebensqualität relevant einschränken, nannte Thomsson Alopezie, Hand-Fuß-Syndrom und die Chemotherapieinduzierte Polyneuropathie. Er betonte aber, dass auch zielgerichtete Substanzen Nebenwirkungen verursachen.

So stünden zwar wenig beeinträchtigende hämatologische Toxizitäten im Vordergrund. Nicht zu vernachlässigen aber seien Fatigue, Nausea, Erbrechen und manchmal auch eine Alopezie. Wichtig sei es, diese Nebenwirkungen bestmöglich zu managen. Dazu gehören auch Hitzewallungen oder sexuelle Dysfunktion unter endokriner Therapie. Leiden Frauen beim Sex unter Schmerzen, spricht nichts gegen eine vaginale Östrogenisierung.

Literatur

  1. Bericht von der 39. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vom 27. bis 29. Juni 2019 in BerlinGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

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