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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 9, pp 66–66 | Cite as

Senologiekongress 2019

Onkologische Aspekte der Brustgesundheit

  • Beate Fessler
Onkologie aktuell
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Ende Juni 2019 trafen sich in Berlin Experten in Sachen Brustgesundheit zum Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Die Behandlung und Betreuung von Patientinnen mit Mammakarzinom stand in besonderem Fokus.

Berlin war Tagungsort des diesjährigen Senologiekongresses.

© Noppasinw / stock.adobe.com

Klarer Vorteil für eine neoadjuvante Strategie beim operablen Mammakarzinom

Neoadjuvant behandeln oder primär operieren? Dieser Frage stellte sich Ingo Bauerfeind, Landshut, und nannte als einen wesentlichen Vorteil der neoadjuvanten Chemotherapie (NACT) die Möglichkeit der In-vivo-Chemosensitivitätstestung, die eine Individualisierung der Therapie bei laufender Chemotherapie und post-neoadjuvant erlaubt.

Zudem sei eine brusterhaltende Therapie (BET) eher möglich. Bauerfeind verwies dabei auf die 2018 publizierte Metaanalyse, in der zehn Studien mit insgesamt 4.756 Patientinnen hinsichtlich Nutzen und Risiken einer NACT oder postoperativer gleicher Chemotherapie miteinander verglichen wurden [EBCTCG. Lancet Oncol. 2018;19(1):27-39]. Unter NACT war der Anteil der BET deutlich höher (65 vs. 49 %). Dabei gab es weder signifikante Unterschiede hinsichtlich der Fernmetastasen (15-Jahres-Risiko: 38,2 vs. 38 %), noch bei Brustkrebs-assoziierter Mortalität (34,4 vs. 33,7 %) oder Gesamtmortalität (40,9 vs. 41,2 %). Allerdings war eine NACT mit mehr Lokalrezidiven assoziiert (15-Jahres-Lokalrezidivrate: 21,4 vs. 15,9 %).

Es sei aber fraglich, ob die erhöhte Lokalrezidivrate nach NACT dem neoadjuvanten Therapieansatz zugeschrieben werden kann, so Bauerfeind. Grundsätzlich, so erläuterte er, treten nach BET mehr Lokalrezidive auf als nach Mastektomie. Zudem seien die Patientinnen in der EBCTCG-Analyse zwischen 1983 und 2002 behandelt worden. Mit den inzwischen zur Verfügung stehenden Systemtherapien lassen sich nach Bauerfeind bessere Effekte mit einer höheren Rate an pathologischen Komplettremissionen (pCR) erreichen. Und auch das lokale Therapiemanagement sei besser: Clipmarkierung des Tumors vor NACT, die regelmäßige Bildgebung unter NACT und die abschließende Bildgebung nach NACT zur verbesserten Tumorlokalisation seien Standard. Anzustreben seien zudem freie Resektionsränder. „Der Tumor muss draußen sein“, forderte Bauerfeind.

Progression unter NACT: Was tun?

Die Progression während der NACT ist selten, hat aber therapeutische Konsequenzen, wie Achim Rody, Lübeck, erläuterte.

Kommt es unter neoadjuvanter systemischer Therapie nicht zu einem frühen Ansprechen sollte bei unverändertem Befund die NACT komplettiert und anschließend operiert werden. Kommt es dagegen unter der NACT zu einer Progression, sollte die systemische Therapie abgebrochen und eine Operation oder Bestrahlung durchgeführt werden. Zusätzlich ist eine adjuvante Chemotherapie mit nichtkreuzresistenten Regimen indiziert.

Literatur

  1. Bericht von der 39. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vom 27. bis 29. Juni 2019 in BerlinGoogle Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

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