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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 9, pp 61–61 | Cite as

Multiples Myelom: Gute und schlechte Nachrichten vom EHA

  • Friederike Klein
Onkologie aktuell
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Die Aussichten vom EHA-Kongress in Amsterdam reichten für das multiple Myelom (MM) von der Hoffnung, ein schwelendes Myelom komplett heilen zu können, bis zur Erkenntnis, dass eine innovative Therapie zwar das progressionsfreie Überleben (PFS) verbessert, aber die Sterblichkeit erhöht.

Die spanische Myelom-Studiengruppe untersucht in der GEM-CESAR-Studie eine kurativ intendierte Therapie des schwelenden Myeloms mit hohem Risiko. Das wurde definiert durch den Nachweis sowohl von ≥ 10 % Plasmazellen (PC) im Knochenmark (PCBM) als auch M-Komponenten-Konzentration im Serum von ≥ 3g/dl (Mayo-Kriterien). War nur eines der beiden Kriterien vorhanden, wurde ein Anteil von mehr als 95 % aberranter PC an allen PCBM in der Immunphänotypisierung oder Immunparese gefordert, wie Maria-Victoria Mateos, Salamanca, erläuterte [Mateos MV et al. EHA. 2019;Abstr S871]. Eine Knochenbeteiligung wurde vorab durch eine aktuelle Bildgebung ausgeschlossen — bei 18 % der gescreenten Patienten fand sich eine bis dahin nicht bekannte Knochenmanifestation. 21 % der eingeschlossenen Patienten mit ultrahohem Risiko entsprechen bereits den aktuellen Kriterien eines MM.

Zwei Drittel nach zwei Jahren ohne MRD

Die Therapie mit kurativer Absicht (primärer Endpunkt: Freiheit von minimaler Resterkrankung [MRD] über bis zu fünf Jahren) bestand aus einer Induktion mit sechs Zyklen Carfilzomib, Lenalidomid und Dexamethason (KRd) gefolgt von einer Hochdosis-Melphalantherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation (ASCT), der Konsolidierung mit weiteren zwei Zyklen KRd sowie einer Erhaltungstherapie mit 24 Zyklen RD.

Aktuell haben 83 Patienten die Therapie inklusive Konsolidierung erhalten. Eine Komplettremission erreichten nach der ASCT 64 % der Patienten, MRD-negativ waren 56 %. Zu einem transplantationsbedingten Todesfall kam es nicht, nur in einem Fall konnte die ASCT nicht durchgeführt werden. 11 Patienten benötigten eine zweite Mobilisierungsphase für eine ausreichende Zellzahl. Die Toxizität war akzeptabel, sagte Mateos. Infektionen waren insbesondere in der Induktion häufig, aber meist mild und gut zu beherrschen. 40 Patienten die bereits seit mindestens einem Jahr in der Erhaltungsphase sind, sind MRD-frei. Fünf biochemische Progresse wurden registriert, die PFS-Rate liegt nach median 25 Monaten bei 93 %. Die Gesamtüberlebensrate (OS) bei 98 % nach 28 Monaten — zwei Patienten verstarben im Verlauf. Nun müssen die Ergebnisse mit längere Beobachtungszeit abgewartet werden, aber Mateos ist optimistisch, dass eine frühe Therapie des schwelenden Myeloms mit hohem Risiko die Entwicklung einer MM zumindest bei einigen Patienten verhindern kann.

Negativstudie für Venetoclax-Kombination

In präklinischen Untersuchungen induzierte der BCL-2-Inhibitor Venetoclax die Apoptose von Myelomzellen. Auch frühe klinische Studien hatten eine Wirksamkeit von Venetoclax alleine oder in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason bei Patienten mit MM gezeigt. In der Phase-III-Studie Bellini wurde daher bei MM-Patienten, die nach 1–4 Vortherapien refraktär waren oder ein Rezidiv entwickelt hatten, randomisiert die Addition von Venetoclax zu einem Bortezomib/Dexamethason-Rückgrat (Ven/Vd, n = 194) im Vergleich zu Placebo/Vd (n = 97) untersucht. Wie Shaji Kumar von der Mayo Clinic in Rochester, NY/USA, berichtete, war Ven/Vd wie erhofft hinsichtlich des primären Endpunkts PFS überlegen [Kumar S et al. EHA. 2019;Abstr LBA 2601]: Das mediane PFS lag bei 22,4 Monaten gegenüber 11,5 Monaten in der Kontrollgruppe.

Die OS-Kurven zeigten in der Interimsanalyse aber einen Überlebensvorteil der Placebo/Vd-Gruppe gegenüber der Ven/Vd-Gruppe — die Wahrscheinlichkeit zu versterben, war in der Venetoclax-Gruppe verdoppelt (Hazard Ratio 2,02). Die meisten Todesfälle waren auf Infektionen oder einen Krankheitsprogress zurückzuführen, insbesondere in den ersten sechs Monaten der Studie, erläuterte Kumar. Wegen der Übersterblichkeit im Interventionsarm stoppte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA bereits im Frühjahr die weitere Rekrutierung, erlaubt aber eine Fortführung der Therapie bei Patienten, die bislang profitiert haben. Eine kleinen Subgruppe profitierte allerdings hinsichtlich des PFS ohne eine OS-Einbuße: Patienten mit einer Translokation t(11;14). Für diese Gruppe war bereits in den frühen klinischen Studien eine besonders gute Effektivität gezeigt worden. Eine entsprechende Studie mit Patienten mit dieser Translokation in den Myelomzellen soll laut Kumar in Kürze beginnen.

Literatur

  1. Bericht vom 24th Congress der European Hematology Association (EHA) vom 13. bis 16. Juni 2019 in Amsterdam, NiederlandeGoogle Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Friederike Klein
    • 1
  1. 1.

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