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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 6, pp 73–73 | Cite as

Neue Statistik für 2018

Ärztemangel bereitet weiter Sorgen

  • Helmut Laschet
Praxis aktuell

In Deutschland arbeiten so viele Ärzte wie noch nie, offenbart die neue Ärztestatistik. Dennoch schlägt die Bundesärztekammer Alarm — und warnt vor erheblichen Engpässen in der medizinischen Versorgung.

Der Zuwachs an Ärzten — im Jahr 2018 ein Plus von 1,9 % auf 392.402 — ist nach Auffassung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, zu gering, um damit den künftigen Versorgungsbedarf zu erfüllen. Eindringlich fordert Montgomery anlässlich der Ärztestatistik 2018 eine Aufstockung der Kapazitäten für das Medizinstudium, damit es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung nicht zu Engpässen in der Versorgung kommt.

Trotz einer steigenden Zahl von Köpfen nimmt die Arbeitskapazität nicht unbedingt zu. Ursächlich dafür sind zwei Entwicklungen: Mit einem Anteil von 47,2 % haben Ärztinnen in Klinik und Praxis fast die Parität erreicht; sie sind allerdings überdurchschnittlich häufig in Teilzeit tätig. Der Anteil der Ärztinnen wird künftig noch weiter steigen.

Der zweite strukturelle Trend: Die Zahl der angestellten Ärzte in der ambulanten Medizin steigt dynamisch. Der Zuwachs betrug im vergangenen Jahr 10,4 %, sodass nunmehr 39.816 Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiten (Abb. 1) — ein erheblicher Teil davon nicht auf einer Vollzeitstelle. Auch werden ihre Arbeitsproduktivität und das Ausmaß geleisteter Stunden vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung nicht so hoch eingeschätzt wie die der als Freiberufler tätigen Ärzte. Deren Zahl sinkt aber stetig — allein im vergangenen Jahr erneut um 884 auf zuletzt 117.472.

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Der Schein trügt: Zwar steigt die Zahl der angestellten Ärzte, doch viele arbeiten nicht in Vollzeit.

© Ärztestatistik 2019 der Bundesärztekammer

Es gibt aber auch gegenläufige Entwicklungen: Nach einem jahrelangen Abwärtstrend stieg der Anteil junger Ärzte unter 35 Jahren seit 2005 wieder von 15,4 % auf aktuell 18,9 %. Die Zahl der Facharztanerkennungen ist weiter um 3 % auf insgesamt 13.336 gestiegen.

Zugenommen hat die Zahl ausländischer Ärzte um 7,3 % auf 48.672. Der Zuwanderung steht allerdings der Wegzug deutscher Ärzte gegenüber, der den Nettowanderungssaldo verringert. Deutsche Ärzte präferieren dabei die Schweiz, Österreich und die USA. Der Zuwachs an Ärzten verteilt sich auch regional sehr unterschiedlich: Das geringste Wachstum haben Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bremen mit Werten zwischen 0,2 % und 1,2 %.

Nach Angaben des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung arbeiteten niedergelassene Ärzte im Durchschnitt etwa 50 Stunden pro Woche. In den Krankenhäusern seien Wochenarbeitszeiten zwischen 60 und 80 Stunden keine Seltenheit. Die jetzt vom Gesetzgeber beschlossene Ausweitung der Sprechstundenzeiten sei in Anbetracht dieser Zahlen „ein Affront gegen die vielen Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag am Limit arbeiten“, so Montgomery. Ein unverzüglicher Ausbau der Studienkapazitäten sei deswegen dringend nötig.

Viele Ärzte arbeiten als Angestellte — und gerade Ärztinnen oft in Teilzeit.

© Alexander Raths / fotolia.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

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Authors and Affiliations

  • Helmut Laschet
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  1. 1.

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