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InFo Hämatologie + Onkologie

, Volume 22, Issue 3, pp 51–51 | Cite as

CDDF Multi-Stakeholder Workshop 2019

Das Darmmikrobiom als Target für die Krebstherapie

  • Moritz Borchers
onkologie aktuell
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In der Onkologie mehren sich die Hinweise, dass das Darmmikrobiom für die Onkogenese und Tumortherapie bedeutsam ist. Und: Auch Tumoren selber zeichnen sich durch ein eigenes Mikrobiom aus. Erfolgreiche Mikrobiom-bezogene Therapien zielen dabei im Moment wohl eher weniger auf einzelne Darmbewohner, als auf die Gesamtheit des Mikrobioms, wie im Rahmen eines Workshops in München deutlich wurde.

„Impact of the Microbiome on Cancer Growth and Therapy“ unter diesem Motto trafen sich Kliniker, Forscher und Vertreter aus der Pharmaindustrie in München, um sich gemeinsam über den aktuellen Stand der Forschung auszutauschen.

© XXXXXX

Das Darmikrobiom kann die klinischen Ergebnisse einer Krebs(immun)therapie beeinflussen, soviel erscheint gesichert. Bisher ist es jedoch nicht gelungen, konsistent einzelne Bakterienstämme zu identifizieren, die mit dem Therapieerfolg assoziiert sind. So lässt sich eines der zentralen Ergebnisse zusammenfassen, das auf dem CDDF Multi-Stakeholder Workshop „Impact of the Microbiome on Cancer Growth and Therapy“ in München von verschiedenen Speakern präsentiert wurde. Warum es möglicherweise weniger zielführend sein könnte, nach spezifischen „günstigen“ Mikrobiombewohnern zu suchen, begründete Giorgio Trinchieri unter anderem mit Daten aus China: In einer Analyse der Darmmikrobiome von 7.009 Personen aus 14 Kreisen in der Guangdong-Provinz sei vor allem der Wohnort (d. h. der Kreis) für die Diversität des Mikrobioms verantwortlich gewesen — mehr als andere relevante Faktoren wie Ernährung, Bildung oder Alter [He Y et al. Nat Med. 2018;24(10):1532-5]. Zudem hätten die Forscher versucht, auf Basis des Mikrobioms das Vorliegen einer metabolischen Erkrankung vorher zu sagen; innerhalb der Kreise sei das gelungen, nicht aber kreisübergreifend, so Trinchieri. Das seien sehr ähnliche Ergebnisse, wie sie in vier verschiedenen Städten (Pittsburgh, Paris, Chicago, Houston) aufgetreten seien beim Versuch, das Ansprechen auf eine anti-PD-1(„programmed cell death protein 1“)-Tumortherapie vorherzusagen [Gopalakrishnan V et al. Science. 2018;359(6371):97-103; Routy B et al. Science. 2018; 359(6371):91-7; Matson V et al. Science. 2018;359(6371):104-8]. Was diesen Unterschieden genau zugrunde läge, müsste aber noch geklärt werden, so Trinchieri.

Vorläufig könnten dann vielleicht eher unspezifische Mikrobiom-gerichtete Therapieansätze realisierbar sein. Dazu passen sehr frühe Hinweise,
  • dass sich im Tiermodell das Ansprechen auf eine Immuntherapie verbessern bzw. verschlechtern lässt, wenn den Tieren Stuhl von menschlichen Tumortherapie-Respondern bzw. -Nonrespondern transplantiert wird [Biancheri P et al. Gastroenterology. 2018;154(6):1845-4].

  • dass Melanompatienten unter hoher Ballaststoffzufuhr u.U. besser auf eine PD-1-Immuntherapie ansprechen könnten (im Vergleich zu ballaststoffarmer Kost) [Spencer CN et al. AACR Annual Meeting. 2019; media preview].

Literatur

  1. Bericht vom CDDF Multi-Stakeholder Workshop, veranstaltet in Kooperation mit dem Tumorzentrum München, vom 15. bis 16. Februar in München.Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Moritz Borchers
    • 1
  1. 1.

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