Advertisement

InFo Onkologie

, Volume 21, Issue 2, pp 58–58 | Cite as

Zervixkarzinom und Co.: Sind 2020 alle gegen HPV geimpft?

  • Moritz Borchers
onkologie aktuell
  • 88 Downloads

Oxford-Diskutanten auf dem DKK waren sich einig: Eine 100 %ige HPV-Durchimpfungsrate wäre wünschenswert, ist aber völlig unrealistisch.

Es sollte eine der großen Neuerungen beim diesjährigen deutschen Krebskongress (DKK) werden: Debatten im sogenannten Oxford-Stil; bei diesem Diskussionsformat tragen abwechselnd je zwei Redner Pro- und Kontra-Positionen zu einer Streitfrage vor, wobei die Debatte durch einen Vorsitzenden eingeleitet und moderiert wird. Eine solche Debatte gab es auch zum Themenkomplex „Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV)“ unter dem provokativen Titel „Werden im Jahr 2020 alle Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren gegen HPV geimpft sein?“. Von akademischem Streit indes war nichts zu spüren: sämtliche Kontra-Positionen wurden von Impfbefürwortern eingenommen, die recht oberflächlich Gegenargumente Dritter vortrugen. Das einvernehmliche Fazit des fünfköpfigen Panels lautete daher:
  • Das im Debattentitel formulierte Ziel ist wünschenswert, aber unrealistisch. Lege man den aktuellen Impftrend zugrunde, sei eher von einer Durchimpfungsrate von max. 40 % auszugehen, erklärte Catharina Maulbecker-Armstrong, Gießen.

  • Man dürfe nicht bei den Mädchen stehen bleiben, schließlich übertrügen Jungen und Männer den Erreger „sehr effektiv“ und litten selbst auch unter HPV-assoziierten Neoplasien, darunter oropharyngeale, anale und penile Karzinome, betonte Harald zur Hausen, Heidelberg.

  • Höhere Impfraten ließen sich nur durch bessere Kommunikationsstrategien, erreichen, welche den Betreffenden und ihren Eltern eine informierte Entscheidung erlaubten. Es bedürfe hier einer Kommunikationsstrategie, wie sie im Rahmen der Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ über viele Jahre mit Erfolg durchgeführt worden sei, forderte Peter Lang, Köln. Weil es wichtig sei, zu einem Zeitpunkt zu impfen, zu dem Sexualität für die Betreffenden evtl. noch keine Rolle spiele, sei es essenziell, die Kampagnen nicht zu sehr auf sexuelle Handlungen abzustellen und stattdessen die Eltern mit anzusprechen, so Maulbecker-Armstrong.

  • Konkrete Maßnahmen seien vonnöten. Jürgen F. Riemann, Ludwigshafen, berichtete in diesem Kontext von guten Erfahrungen mit Aufklärung und freiwilliger Impfung im Rahmen eines Modellprojektes an 12 hessischen Schulen („Freiwillige HPV-Schulimpfung“, Kreis Bergstraße). Herbert Rebscher, Bayreuth, schlug vor, die Impfung als „dringende Ergänzung der Kinder- und Jugenduntersuchungen der U10/U11-Logik“ zu entwickeln.

Gegenargumente gegen die HPV-Impfung?

Zu den Argumenten, die pro forma gegen die Impfung vorgetragen wurden, zählten zum Beispiel eine unklare Datenlage und gravierende Nebenwirkungen.

Ist die Datenlage unklar?

Zur Hausen räumte zwar ein, dass das Follow-up bisher noch zu kurz sei, um statistisch eine ganz sichere Aussage bezüglich des Schutzeffektes gegen den Gebärmutterhalskrebs selbst treffen zu können. Dass liege daran, dass zwischen dem Auftreten der Tumorinitiation und dem manifesten Gebärmutterhalskrebs zwischen 15 und 30 Jahre vergingen. Weil die Impfung aber nachgewiesener Maße vor den initialen Krebsvorstufen schütze, „gehen wir jedenfalls mit Sicherheit davon aus, dass der Schutzeffekt [in fünf bis sieben Jahren] statistisch messbar vorhanden sein wird“.

Nebenwirkungen der HPV-Impfung

Bezüglich der Nebenwirkungen sprach zur Hausen davon, dass die Impfung zumeist gut verträglich sei, ggf. käme es zu leichtem Fieber. Schwere Nebenwirkungen seien australischen Daten zufolge lediglich bei einer von Hunderttausenden Geimpfter aufgetreten. Dabei habe es sich um Autoimmunreaktionen gehandelt, die klinisch gut beherrschbar gewesen seien. Christian Jackisch, Offenbach, forderte eine faire Diskussion um Nebenwirkungen. Als abschreckendes Beispiel verwies Jackisch darauf, wie die Presse über eine japanische Untersuchung [Aratani S et al. Sci Rep. 2016;6:36943] berichtet hätten. In dieser hochrangig publizierten Studie waren Schäden an Mäusegehirnen durch die HPV-Impfung aufgetreten — allerdings nach Dosen, die mit dem Impfen überhaupt nichts zu tun hätten, so Jackisch.

Literatur

  1. Bericht vom 33. Deutschen Krebskongress (DKK 2018) vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin.Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Moritz Borchers
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations