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Orthopädie & Rheuma

, Volume 21, Issue 5, pp 12–12 | Cite as

Degenerativer Meniskusriss: Operation von fraglichem Nutzen

  • Thomas Müller
Literatur kompakt
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Die arthroskopische Meniskusoperation zählt zu den häufigsten Eingriffen in der Orthopädie. Gerade für Patienten jenseits von 40 Jahren sei ihr Nutzen jedoch oft fraglich. Studiendaten zufolge ließen sich bei den meisten Betroffenen mit einer Physiotherapie ähnliche Erfolge erzielen. Dies berichten zumindest Sportwissenschaftler um Jonas Bloch Thorlund von der Universität in Odense.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Die schwedischen Mediziner fanden in einer systematischen Analyse nur sieben kontrollierte Studien zu dem Thema, alle beschrieben Behandlungen bei Personen im Alter von mehr als 40 Jahren. In dieser Altersgruppe erfolgen rund zwei Drittel aller Meniskusoperationen.

Auch wenn viele der Meniskusrupturen auf ein Trauma zurückgingen, seien bereits vorhandene degenerative Prozesse zu vermuten oder gar dominierend, schreiben die Autoren. So würde ein gesunder Meniskus bei vielen der Belastungen, die bei älteren Personen zu Rissen führen, keinen Schaden nehmen. In den wenigen vorhandenen kontrollierten Studien seien daher wohl vorwiegend Patienten mit degenerativ bedingten Meniskusrupturen behandelt worden, schlussfolgern die Sportwissenschaftler. Die Analyse wurde im Auftrag einer Physiotherapiegesellschaft erstellt, ein Interessenkonflikt scheint demnach nicht ausgeschlossen.

Zwei der analysierten Studien verglichen eine Physiotherapie direkt mit einer arthroskopischen Operation. Dabei zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei der Effektstärke bezogen auf die Schmerzen und die Funktion. Die Differenz der Effektstärke zwischen Operation und Physiotherapie bezifferten die Forscher für Schmerzen mit -0,51 bei einem 95%-Konfidenzintervall (CI) von -1,16 bis 0,13, für die Kniefunktion mit -0,06 (95%-CI -0,23 bis 0,11). Allerdings besserte die Physiotherapie im Vergleich zur Operation signifikant die Muskelkraft.

Fünf Studien verglichen eine alleinige Physiotherapie mit einer Kombination aus Physiotherapie plus Operation. Hier schnitten die Patienten mit zusätzlichem chirurgischem Eingriff sowohl bei der Schmerzreduktion als auch bei der Kniefunktion nicht besser ab als solche mit alleiniger Physiotherapie.

Keine randomisierten Studien mit Patienten unter 40 Jahren

Keine einzige randomisierte Studie konnten die Forscher zur Therapie von Patienten unter 40 Jahren finden. In dieser Altersgruppe sei bei Meniskusrissen primär von traumatischen Ursachen auszugehen. Das Team um Thorlund präsentierte lediglich eine Beobachtungsstudie mit rund 400 Patienten jeden Alters, in der sich die Resultate jüngerer Patienten mit Operation nicht von denen älterer unterschieden, was einer vorsichtigen Einschätzung nach dafür sprechen könnte, dass auch bei jüngeren Patienten mit Meniskusrupturen die invasive Behandlung nicht unbedingt die erste Wahl sein sollte.

Fazit: Aus den Resultaten ihrer Analyse schlussfolgern die Autoren, dass Patienten mit degenerativ bedingten Meniskusrissen möglichst nicht operiert, sondern konservativ mit einer Physiotherapie als Hauptelement behandelt werden sollten. Patienten unter 40 Jahren mit traumatischen Meniskusrissen sollten ebenfalls eine konservative Therapie mit Bewegungstraining erhalten, es sei denn, es kommt zu Gelenkblockaden, die eine Operation erforderlich machen. Mangels Evidenz basiere diese Empfehlung allerdings ausschließlich auf Expertenmeinungen.

Thorlund und Kollegen betonen jedoch, dass es letztlich auch von der Art und Ausprägung der Risse sowie der Symptome abhängt, ob eine Operation notwendig sei. Mangels Evidenz lasse sich nicht eindeutig sagen, welche Patienten am ehesten von einem arthroskopischen Eingriff profitierten. Für die Einteilung in degenerative und traumatische Risse liefere das Alter der Betroffenen lediglich einen Anhaltspunkt. Ärzte müssten genau prüfen, ob sich die Schäden durch die geschilderten Belastungen oder Traumen plausibel erklären lassen.

Literatur

  1. Thorlund JB et al. Infographic. Exercise therapy for meniscal tears: evidence and recommendations. Br J Sports Med 2018; online 23. Juni; doi: http://dx.doi.org/10.1136/bjsports-2018-099492Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Thomas Müller
    • 1
  1. 1.

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