ästhetische dermatologie & kosmetologie

, Volume 10, Issue 2, pp 27–27 | Cite as

Interview mit Prof. Dr. Dr. Erhardt Proksch

„Pures Öl kann mehr schaden als nützen“

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derma aktuell
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Der Einsatz purer Pflanzenöle ist bei gestörter Hautbarriere eher kritisch zu sehen, erläutert Prof. Dr. Dr. Erhardt Proksch, Kiel, im Interview.

Wie beurteilen Sie die Anwendung natürlicher Öle zur Stärkung der Hautbarriere?

Proksch: Meines Erachtens eignen sich natürliche Öle zur Hautpflege allenfalls verdünnt als Emulsionen. Reine Pflanzenöle führen zu einer Austrocknung der Haut und schädigen eher die Hautbarriere. Insbesondere enthaltene Ölsäure ist für die Haut nicht physiologisch und kann zu Irritationen und Reizungen führen. Bei Säuglingen haben wir schon lebensbedrohliche Austrocknungen durch die topische Anwendung von Olivenöl gesehen. Zudem ist das allergene Potenzial pflanzlicher Öle zu beachten. Gerade bei gestörter Barrierefunktion ist die Haut für Irritationen und Kontaktsensibilisierungen anfälliger.

Welche Hautpflege empfehlen Sie bei gestörter Barrierefunktion?

Proksch: Eine regelmäßige Basispflege mit Emollentien ist bei Hauterkrankungen wie der atopischen Dermatitis und der Psoriasis, die mit einer gestörten Barrierefunktion einhergehen, von entscheidender Bedeutung, um den Hautzustand zu stabilisieren. Bei einer solchen Basistherapie — wie auch bei der kosmetischen Hautpflege — ist darauf zu achten, dass verwendete Pflegeprodukte dem Hautzustand und auch der Jahreszeit angepasst sind. Für sehr trockene Haut sollten Wasser-in-Öl-Emulsionen verwendet werden. Um den Mangel an Lipiden auszugleichen, gibt es Ansätze, der Haut über die Pflege beispielsweise freie Fettsäuren oder Sphingolipide, insbesondere Ceramide, zuzuführen. Wichtige Inhaltsstoffe sind zudem Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff, Laktate oder Glyzerin. Außerdem sollten Reinigungs- und Pflegeprodukte einen physiologischen pH-Wert aufweisen und insbesondere bei Neigung zu Allergien frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein.

Prof. Dr. Dr. Erhardt Proksch

Leiter der Arbeitsgruppe Barriereforschung, Universitäts-Hautklinik Kiel

Reine Pflanzenöle führen zu einer Austrocknung der Haut.

Wie sinnvoll sind natürliche Öle als Komponente in Hautpflegeprodukten?

Proksch: Es gibt nur wenige und keine sauberen Studien, in denen man Produkte, die natürliche Öle enthalten, mit anderen Hautpflegemittel verglichen hat. Überzeugende Daten, dass natürliche Öle als Bestandteil in Pflegeprodukten beispielsweise bei atopischer Dermatitis von Vorteil sind, fehlen. Wahrscheinlich ist es sinnvoller, gezielt Wirkstoffextrakte aus Ölen einzusetzen, die erwünschte Inhaltsstoffe und geeignete Fettzusammensetzungen enthalten. Aus pflanzlichen Ölen gewonnene Linolsäure beispielsweise ist für die Haut günstig. Es gibt noch viel Forschungsbedarf, welche Inhaltsstoffe gerade bei gestörter Barrierefunktion effektiv sind.

Das Interview führte Angelika Bauer-Delto.

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