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Der Freie Zahnarzt

, Volume 62, Issue 7–8, pp 30–30 | Cite as

„Das hier ist kein Actionspiel“

  • Sabine Schmitt
politik

KZBV-Vertretersitzung in Köln. Fremdinvestoren in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), die Fristen der Telematikinfrastruktur und das neue Pflegegesetz standen im Mittelpunkt der Vertretersitzung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) in Köln. Zwei Mal im Jahr treffen sich die KZBV-Vorstände und die Vertreter der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen), um politische Forderungen neu auszurichten.

Der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer hatte es schon in seinem ersten Satz angekündigt: „Es wird lang und anspruchsvoll.“ Er sollte Recht behalten. In knapp zwei Stunden hangelte sich Eßer von einem brennenden Thema der Zahnärzteschaft zum nächsten.

Besonders drastisch machte der KZBV-Chef die Situation bei der Gründung arztgruppengleicher Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) deutlich: „Das Großkapital hat im letzten Jahr den Markt entdeckt und findet hier beste Strukturen. Wir stehen an einem Punkt, an dem es nur zwei Wege zu geben scheint: Großversorger im Schutze eines MVZ und diejenigen Kollegen, die die restliche Arbeit machen.“ Diese Rosinenpickerei könne es mit ihm nicht geben. „Eines sollte uns allen klar sein: Mit Versorgung haben die nichts im Sinn.“ Es gehe ausschließlich um Rendite. International habe eine Art „Goldrush“ eingesetzt. „Wir haben es mit einer neuen Qualität der Bedrohung des Berufsstandes zu tun“, machte Eßer deutlich. Er appellierte erneut an alle Vertreter des Berufsstandes, sich einmütig für die Rücknahme der arztgruppengleichen MVZ einzusetzen. „Wir müssen hier einig und gemeinsam gegen alle Widerstände den Berufsstand verteidigen“, machte Eßer deutlich. „Das hier ist kein Actionspiel, das ist die Realität mit unwiederbringlichen Folgen.“

Mit neuen politischen Forderungen: (v. re.) KZBV-Vorstand Dr. Wolfgang Eßer, Martin Hendges, Dr. Karl-Georg Pochhammer

Die Delegierten der KZVen diskutierten das Thema intensiver als jedes anderes. Am Ende standen zwei politische Forderungen: zum einen eine klare Aufforderung an den Gesetzgeber, MVZ, in denen Zahnärzte tätig werden, ausschließlich fachgruppenübergreifend auszugestalten, zum anderen die Forderung, den Zutritt für Fremdinvestoren und Fremdkapitalgebern beim Aufkauf von MVZ oder MVZ-Ketten in der vertragszahnärztlichen Versorgung zu verhindern.

HONORARKÜRZUNGEN ZURÜCKNEHMEN

Auf den neuesten Stand der Dinge in Sachen Telematikinfrastruktur (TI) brachte die Delegierten der stellvertretende KZBV-Vorsitzende Dr. Karl-Georg Pochhammer. Derzeit (Stand: Ende Juni 2018) seien etwa 5.000 der rund 43.000 Zahnarztpraxen in Deutschland an die TI angeschlossen. „Die Anbindung an die TI funktioniert im Großen und Ganzen gut“, stellte Pochhammer fest. Allerdings hätten die Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu Beginn seiner Amtszeit, mit denen er die TI grundsätzlich in Frage gestellt hatte, für große Unruhe gesorgt (siehe dazu auch das Titelthema ab Seite 14). Klar sei aber nun: „Die Anbindung an die TI ist unabdingbar“, sagte Pochhammer. Die bisher gesetzten Fristen des Gesetzgebers und die damit verbundenen angedrohten Honorarkürzungen bei der Nichteinhaltung der Frist seien jedoch nach wie vor nicht hinnehmbar. „Sanktionen sind der falsche Weg“, machte Pochhammer noch einmal deutlich. Die Vertreterversammlung forderte dann auch folgerichtig Gesetzgeber und Bundesrat auf, die angedrohten Honorarkürzungen zurückzunehmen und hilfsweise die derzeit geltende Frist (Ende 2018) um mindestens ein Jahr — bis zum 31.12.2019 — zu verlängern.

FINANZIERUNG IN PFLEGE REGELN

Auch beim Thema Pflege erhoben die Vertreter der KZVen neue Forderungen an den Gesetzgeber, Finanzierungslücken der zahnmedizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen zu schließen und die Finanzierungsgrundlagen gesetzlich zu regeln, die es Pflegeeinrichtungen ermöglichen, die personellen Voraussetzungen für die Versorgung zu schaffen. Zudem soll eine neue gesetzliche Grundlage zur Krankenbeförderung von immobilen Pflegebedürftigen geschaffen werden, um diese entsprechend in der Zahnarztpraxis behandeln zu können.

Literatur

  1. Alle Beschlüsse der KZBV-Vertretersitzung unter: www.kzbv.de

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Sabine Schmitt
    • 1
  1. 1.

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