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Der Freie Zahnarzt

, Volume 59, Issue 1, pp 25–25 | Cite as

Pflegereport 2014 der Barmer GEK

Pflegebedürftige in Heimen sind zahnärztlich unterversorgt

  • Sabine Schmitt
politik
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Es steht schlecht um die Mundgesundheit der älteren Generation: Je höher die Pflegebedürftigkeit eines Menschen wird, desto mehr werden seine Zähne vernachlässigt. Der Pflegereport 2014 der Barmer GEK zeigt: Besonders Pflegebedürftige in Heimen sind zahnmedizinisch unterversorgt.

© Gina Sanders / fotolia.com

Zur Zahn- und Mundgesundheit von pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ist die Studienlage bisher dünn. Der Pflegereport 2014 mit dem Schwerpunkt „Zahnärztliche Versorgung Pflegebedürftiger“ offenbart nun, was viele ahnten, wozu es jedoch kaum Zahlen gab: Um die Zähne und die Gesunderhaltung des Mundraumes Pflegebedürftiger wird sich deutlich seltener gekümmert als bei anderen Menschen. „Es gibt eine massive Unterversorgung, besonders bei Bewohnern von Pflegeheimen“, sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Zahnarztbesuche sind selten

Für mehr als die Hälfte der Betroffenen liegt laut den Reportergebnissen der letzte Zahnarztbesuch zwei Jahre oder länger zurück. Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen betonte, dass einige Pflegebedürftigen bereits Jahrzehnte nicht mehr zahnärztlich behandelt wurden. Deutlich wurde in dem Bericht: Je höher die Pflegestufe, desto geringer wird die Behandlungshäufigkeit, wobei Pflegebedürftige in familiärer Pflege deutlich besser abschnitten. „Pflegebedürftige der Stufe III in Heimen bekamen sehr viel weniger Leistungen als Nicht-Pflegebedürftige“, erläuterte Rothgang. Dabei verglichen die Forscher erstmals anhand von Routinedaten die zahnmedizinischen Leistungen für Pflegebedürftige mit denen Nicht-Pflegebedürftiger gleichen Alters, Geschlechts und gleicher Morbidität. Während Nicht-Pflegebedürftige beispielsweise konservierende, chirurgische oder Röntgenleistungen zu 30,4 Prozent je Quartal im betrachteten Jahr 2012 nutzten, war es bei Pflegebedürftigen der Stufe III eine um 16,5 Prozent verringerte Behandlungshäufigkeit. Auch bei Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontopathien) waren Pflegebedürftige laut Report schlechter versorgt. In der Versorgung mit Zahnersatz und Zahnkronen schnitten ebenfalls vor allem Menschen in Pflegestufe III schlecht ab. „In vielen Heimen wird eher eine andere Form von Essen gereicht als die Mundhygiene zu verbessern und die zahnärztliche Versorgung sicherzustellen“, sagte Rothgang.

Kein Anreiz für Kooperationen

Als mögliche Ursache der Unterversorgung machten die Forscher fehlende zahnmedizinische Behandlungsleitlinien für ältere und pflegebedürftige Menschen aus. Auch häufige psychische Störungen, insbesondere Demenz würden in den aktuellen Leitlinien nicht erwähnt. Das Pflegeneuausrichtungsgesetz der Bundesregierung sehe zwar eine bessere Vergütung von Hausbesuchen der aufsuchenden Zahnärzte vor, und auch die rechtlichen Möglichkeiten zu Kooperationsverträgen zwischen Pflegeheimen und Zahnärzten seien inzwischen geschaffen worden. „Die Umsetzung allerdings hakt noch“, sagte Schlenker. Die Verantwortung dafür sieht er eindeutig bei den Pflegeeinrichtungen: „Das Scheitern der Kooperationsverträge liegt an der mangelnden Bereitschaft der Heime dafür.“ Das derzeit bestehende Pflegenotensystem des sogenannten Pflege-TÜVs des Medizinischen Dienstes sei in dieser Hinsicht ebenfalls vollkommen unzureichend. Auch für die Pflegeeinrichtungen müssten Anreize geschaffen werden, die möglichen Kooperationsverträge zwischen Zahnärzten und Heimen mehr zu nutzen. Hilfreich sei neben dem Ausbau der aufsuchenden Behandlung auch der Aufbau von Schwerpunktpraxen für Pflegebedürftige. Um die Situation insgesamt für die Betroffenen zu verbessern, seien dreiseitige Gespräche zwischen Pflegekassen, Zahnärzteschaft und Heimen notwendig.

Copyright information

© Springer-Verlag 2015

Authors and Affiliations

  • Sabine Schmitt
    • 1
  1. 1.

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