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Der Freie Zahnarzt

, Volume 59, Issue 1, pp 16–16 | Cite as

Gesundheitspolitische Bilanz 2014 aus Sicht der KZBV

Gute Ansätze, aber überzogene Reglementierungen

  • Wolfgang Eßer
politik
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Das Jahr 2014 war politisch sehr bewegt. Während die Kanzlerin im Austausch mit anderen Regierungschefs alles daran setzt, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät, hat sie dem Gesundheitsminister aufgetragen, in Berlin für „Ruhe an der Gesundheitsfront“ zu sorgen. So war es in vielen namhaften Zeitungen zu lesen. Ein Mittel soll dabei das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) sein. Einige vorgesehene Maßnahmen sind aus Sicht der Vertragszahnärzteschaft durchaus zu begrüßen, andere Regelungen stoßen auf Kritik.

So entspricht etwa das im Referentenentwurf verbriefte Präventionsmanagement für Pflegebedürftige und Menschen mit Handicap einer langjährigen Forderung von uns Zahnärzten. Andere Aspekte des Referentenentwurfes bedrohen massiv die Souveränität der Selbstverwaltung und die Freiberuflichkeit ärztlicher Berufsausübung. Zu nennen sind hier die geplante Sperrung von Zulassungsbezirken und die damit faktisch verbundene Enteignung von Praxen sowie die Einschränkung der freien Arztwahl durch die Terminvergaberegelung. Es kann auch keine Lösung sein, Krankenhäuser für die ambulante Versorgung zu öffnen, um Versorgungsprobleme in den Griff zu bekommen, ebenso wenig wie die im Entwurf vorgesehene Möglichkeit der Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) durch Kommunen. Eine Stärkung der Versorgung durch solche Maßnahme ist allenfalls in ohnehin gut versorgten Städten zu erwarten.

Vom Grundsatz her begrüßenswert ist die Zielsetzung bei der Einrichtung medizinischer Behandlungszentren (MZEB) für die Behandlung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen. Ob für diese Patienten allerdings durch solche Zentren eine flächendeckende Verbesserung zahnärztlicher Betreuung erreicht werden kann, ist zweifelhaft. Wir sehen daher die Notwendigkeit, dass in MZEBs neben Vertragszahnärzten auch vertragsärztliche Narkoseärzte tätig sind, und ihre Leistungen entsprechend vergütet werden.

Mit dem GKV-VSG sollen die Freiräume der Kassen im Vertragswettbewerb erhöht werden. Zu befürchten ist, dass sich hierdurch sowie durch die Vereinfachung der Bereinigungsverfahren die Balance zu Lasten der Kollektivverträge verschiebt.

Dr. Wolfgang Eßer

Copyright information

© Springer-Verlag 2015

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Eßer
    • 1
  1. 1.

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