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Der Freie Zahnarzt

, Volume 59, Issue 1, pp 1–1 | Cite as

Lippenbekenntnisse reichen uns nicht

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht um viel im neuen Jahr. Um nicht weniger als unsere Freiberuflichkeit. Die Politik betreibt Augenwischerei, will uns genauso wie den Patienten weismachen, dass das Gesundheitssystem gestärkt wird, und betreibt doch eine Schwächung des stärksten Pfeilers: der Eigenverantwortung von Ärzten, Zahnärzten und Patienten. Die aktuelle Gesundheitspolitik ist nicht zielführend. Vielmehr zeigen vermehrt dirigistische Eingriffe in die medizinische Versorgung in eine staatlich gelenkte Richtung des Gesundheitssystems. Darin spiegelt sich vor allem eines wider: verlorenes Vertrauen in die freiberuflichen, selbstverwalteten Strukturen. Patienten brauchen keinen Schutz vor Ärzten oder Zahnärzten, sondern sie brauchen einen Weg, der auch ihre Eigenverantwortung stärkt. Die Politik steht hier klar in der Verantwortung und wird sich an ihren Taten messen lassen müssen. Lippenbekenntnisse allein reichen für eine funktionierende Freiberuflichkeit nicht aus. In diesem Zusammenhang müssen sich die Zahnärzteschaft und ihre Vertreter ganz selbstkritisch fragen, ob sie es in den vorangegangenen Jahren versäumt haben, bessere Lösungen anzubieten als die, die jetzt gefunden und zum Gesetz gemacht werden. Oder haben wir unsere Lösungen nicht richtig kommuniziert? Oder wollte die Politik sie ganz einfach nicht hören?

Keine faulen Kompromisse eingehen

Um unser Interesse an der Freiberuflichkeit, an der Niederlassung, am eigenverantwortlichen Arbeiten zu demonstrieren, müssen wir Lösungen anbieten. Wir müssen zeigen, dass es gangbare, realistische Wege gibt, die für die Politik akzeptabel sind — ohne die Kontrollmechanismen zu verstärken und die Daumenschrauben anzulegen. Diese gangbaren Lösungen werden keine faulen Kompromisse sein, aber auch keine abgehobenen Maximalforderungen. Es müssen Angebote und realistische Reformkonzepte sein, die tatsächlich Gehör und Umsetzung finden können.

Mit unseren Prophylaxe-Konzepten beispielsweise haben wir gezeigt, dass wir das können. Wir können auch Lösungen in anderen Bereichen anbieten. Verschaffen wir uns Gehör, wenn es um das große Thema der Finanzierung von Zahngesundheit geht. Schaffen wir Kosten- und Behandlungstransparenz durch ein System zur direkten Abrechnung mit den Patienten, das überzeugend für alle Seiten ist. Regeln, die für den Zahnersatz gelten, könnten auf andere Bereiche der zahnärztlichen Arbeit ausgeweitet werden.

Kerstin Blaschke Bundesvorsitzende des FVDZ

Mutige Lösungsansätze bieten

Wir können mit dem Prämienmodell des FVDZ eine Form zur Abrechnung anbieten, die weit über das derzeitige System aus Kassen- und GOZ-Leistungen hinausgeht. Es zeigt einen guten Lösungsansatz, wie das Budget für die Zahnmedizin aus dem GKV-Leistungskatalog herausgelöst werden kann. Hier gibt es die Ansatzpunkte, mit denen wir bei der Politik Gehör finden müssen, weil sie zeitgemäß und innerhalb der Ärzteschaft übertragbar sind — kurz, weil sie eben echte Lösungen sind und keine halbgaren Reformen, wie wir sie nun in der zigsten Ausführung sehen und die zu keinerlei Verbesserung und schon gar nicht zu einer Stärkung der Versorgung führen.

Wir haben es in der Hand, Lösungen anzubieten. Denn wir sind in diesem Bereich die Experten, die zeigen können, wie es geht. Dafür müssen wir überzeugen, strategische Partner finden, Allianzen aufbauen. Wir müssen es nur tun, sonst werden wir weiterhin die Auflagen politisch übergestülpt bekommen, die niemand gebrauchen kann.

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