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Somnologie

, Volume 23, Issue 4, pp 235–236 | Cite as

Licht und Schlaf

  • Alfred WiaterEmail author
  • Andrea RodenbeckEmail author
Editorial
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Light and sleep

Das Thema „Licht und Schlaf“ ist insbesondere in den wissenschaftlichen Fokus gekommen, nachdem die Melanopsin produzierenden Ganglienzellen in der Retina entdeckt worden sind. Damit waren erstmals Lichtrezeptoren beschrieben, die nicht der visuellen Lichtwahrnehmung dienen. Die Tatsache, dass die Melanopsin produzierenden Ganglienzellen besonders empfindlich auf blaues Licht reagieren, führte dazu, dem blauen Licht in der künftigen Betrachtung größere Aufmerksamkeit zu widmen. So wurde durch die Berechnung des Melanopic-Lux-Werts der Relevanz des blauen Lichts besonders Rechnung getragen. Parallel zu den humanbiologischen Forschungen entwickelte sich in der Lichtforschung die LED-Technik weiter. Damit wurde es möglich, definierte Lichtspektren zu kreieren und die einzelnen Lichtkomponenten im Verlauf zu variieren, sodass eine Dynamisierung umgesetzt werden konnte. Ein Hintergrund der Forschung war und ist es, das Spektrum des künstlichen Lichts möglichst der natürlichen Strahlung entsprechend zu gestalten, um in Innenräumen dem Sonnenlicht entsprechende Verhältnisse zu schaffen.

In einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen zu wenig vom Tageslicht profitieren, erscheint dieser Gedanke durchaus plausibel. Andererseits sind die Menschen immer mehr einer sogenannten Lichtverschmutzung ausgesetzt, die sich durch unphysiologische Beleuchtung zur falschen Zeit bemerkbar macht. In der Nacht hell erleuchtete Städte sind hierfür nur ein Beispiel. Auch infolge der globalen Digitalisierung verschiebt sich unser physiologischer Tag-Nacht-Rhythmus immer mehr, bzw. kommt es zu einer zunehmenden Entkopplung von innerer Uhr und äußeren Zeitgebern. Gesundheitliche Störungen sind dadurch vorprogrammiert. Der lichttechnische Fortschritt birgt insofern eine Ambivalenz in sich. Je nachdem, wie neue Beleuchtungstechnologien eingesetzt werden, können sie zum Wohlbefinden beitragen oder aber zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Um dieser Thematik gerecht zu werden, ist der Terminus des Human Centric Lighting geprägt worden. Dabei geht es darum, die humanbiologischen Auswirkungen von Licht zu berücksichtigen.

Aus schlafmedizinischer Sicht stellte sich die Frage, wie neue Lichttechnologien eingesetzt werden können, um das Wohlbefinden der Menschen zu steigern und gesundheitlichen Störungen vorzubeugen. Es lag daher nahe, sich der Problematik von Schichtarbeitenden zu widmen. Durch ein vom BMBF gefördertes Projekt (Förderkennzeichen: 13N14043) ist es gelungen, eine Feldstudie bei Schichtarbeitenden mit Früh‑/Spätschichtwechsel durchzuführen, mit dem Ziel, für die Schichtarbeitenden humanbiologisch optimierte Lichtbedingungen zu schaffen. Dabei kamen sowohl unterschiedliche Beleuchtungsstärken als auch unterschiedliche Lichtspektren mit Dynamisierung zum Einsatz. Die Ergebnisse der Studie liefern vielversprechende Ansätze, zeigen aber gleichzeitig auf, dass wir in diesem Bereich noch ganz am Anfang stehen.

Nicht zu trennen von der Lichtdiskussion sind die Auswirkungen der „daylight saving time“ auf die Gesundheit der Menschen. Leider haben die zum Teil konfrontativ, zum Teil aber auch unprofessionell geführten Debatten und Befragungen zur Abschaffung der Zeitumstellung und eventuellen Einführung der permanenten Sommerzeit den gebotenen wissenschaftlichen Background vermissen lassen. Die Beiträge zu diesem Thema im Somnologie-Heft „Licht und Schlaf“ sollen zur Versachlichung der Diskussion auf wissenschaftlichen Grundlagen beitragen und stehen in einem aktuellen gesellschaftlichen Kontext. Sie spiegeln die Problematik von Licht und Dunkelheit zur falschen Zeit eindrucksvoll wider.

Im fachlichen Zusammenhang mit dem Thema „Licht und Schlaf“ darf die Berücksichtigung der Melatoninwirkung nicht fehlen. Es war daher für die Gastherausgeber ein wichtiger Gesichtspunkt, den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Melatoninforschung einzubeziehen. Hierbei liegt der Fokus im Kindes- und Jugendalter, in dem sich bei schlafgestörten Patienten immer wieder die Frage stellt, ob der Einsatz von Melatonin gerechtfertigt werden kann.

Die bisher beschriebene Thematik stellt jedoch nur einen Ausschnitt aus dem Themenbereich „Licht und Schlaf“ dar. Künftige Forschungsaktivitäten werden sich insbesondere auch auf die Lichthistorie zu konzentrieren haben, um den Zusammenhang zwischen den Lichteinflüssen tagsüber auf die Schlafqualität näher zu untersuchen.

Andrea Rodenbeck

Notes

Interessenkonflikt

A. Wiater und A. Rodenbeck geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.KölnDeutschland
  2. 2.Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. (DGSM)SchwalmstadtDeutschland
  3. 3.KinderklinikKrankenhaus Porz am RheinKölnDeutschland
  4. 4.Abt. Pneumologie und SchlaflaborEvangelisches Krankenhaus Göttingen-WeendeGöttingenDeutschland

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